Rundbrief der Vorsitzenden zum Jahreswechsel 2008 / 2009

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe europäische Freunde,

in außergewöhnlichen Krisensituationen, so haben die letzten Monate gezeigt, ist die EU in der Lage, zu reagieren, d.h. mit konkreten Maßnahmen Krisenmanagement im Sinne eines gemeinsamen Vorgehens zu betreiben. Davon legen die Initiativen zur Beendigung des „Fünf-Tage-Krieges in Georgien”, der die Weltöffentlichkeit im August in Atem gehalten hat, Zeugnis ab ebenso wie in der weltweiten Finanzkrise die abgestimmte groß angelegte Rettungsaktion für die Banken. Nicht zu vergessen dann auf dem EU-Gipfel am 12. Dezember die Einigung auf ein Konjunkturprogramm in Höhe von 200 Milliarden Euro gegen die schwerste Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten sowie schließlich der Kompromiss über die Klimaschutzgesetze.

Die Politik sei wieder in den Mittelpunkt Europas gerückt, so lautet die Botschaft des amtierenden EU-Ratspräsidenten Sarkozy. Kompromiss- und damit Handlungsfähigkeit im Umgang mit den aktuellen Herausforderungen der Zeit haben denn auch nach Auffassung politischer Beobachter das Profil der EU als Global Player in den letzten Monaten geschärft.

Kein Anlass zur Euphorie, bedenkt man, dass der Reformvertrag der EU zur Wahl des Europäischen Parlaments im kommenden Juni nicht, wie ursprünglich geplant, in Kraft getreten sein wird. Dass vielmehr Irland im Herbst 2009 zum zweiten Referendum über den Lissabon-Vertrag ansetzen wird - im Gegenzug zu Konzessionen der EU: Die Kommission wird anders als vorgesehen nicht verkleinert. Und das tschechische Parlament hat seine für Dezember angesetzten Beratungen zur Ratifizierung des Lissabonvertrages auf den 3. Februar vertagt, einen Zeitpunkt, zu dem Tschechien die Ratspräsidentschaft schon einen Monat inne haben wird.

„Europa in guter Verfassung?”, so hatte Dr. Jürgen Schöning in seinem Vortrag zum Lissabon-Vertrag im Rahmen unseres Kaminabends am 6. März gefragt. Aus heutiger Sicht, so denke ich, in vergleichsweise kommoder Verfassung zu einem Zeitpunkt, als das Vertragswerk, von allen Staats- und Regierungschefs unterzeichnet, nach vorausgegangenen Querelen zur Ratifizierung vorlag.

Indessen wollen wir das Thema nicht vertiefen, wohl aber mit einem weiteren Kaminabend, wiederum im März, die Reihe dieses europapolitischen Veranstaltungstyps fortsetzen. Mit Manfred Ritzek, Vorsitzender des Arbeitskreises Europa der CDU-Landtagsfraktion, als Referenten werden wir das Thema „Europäische Nachbarschaftspolitik unter Berücksichtigung der strategischen Partnerschaft mit Russland” diskutieren, aktuell angestoßen durch den Kaukasuskonflikt und die Situation des Kosovo. Darauf gerichtet, Ländern ohne eine Beitrittsperspektive durch Anbindung an die EU Anreize zur Modernisierung ihrer Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zu geben, haben nach Feststellung der Außenkommissarin Ferrero-Waldner die Ereignisse dieses Sommers der verstärkten Nachbarschaftspolitik im Osten der EU die Bedeutung eines „strategischen Imperativs” verliehen angesichts des ausgelösten „Gefühls der Dringlichlichkeit”. Ein anregender Kaminabend in Sachen Realpolitik dürfte uns mithin erwarten.

Die diesjährige Europareise in die Toskana, wiederum binnen kürzester Zeit ausgebucht, hat fraglos die Erwartungen der Reiseteilnehmer, was den Erlebniswert und das Kulturangebot des Reiseziels mit seinen einzelnen Stationen betrifft, noch dazu zu der gewählten Jahreszeit im Frühherbst, voll und ganz erfüllt. Und auch das eintägige, Fragen der Agrarwirtschaft gewidmete Fachprogramm, festgemacht an der Herstellung von Wein, Olivenöl und Pecorino Toscano, fügte sich in Gestaltung und Ablauf aufs Angenehmste ein. Eingeladen zur Besichtigung eines der führenden Betriebe des Consorzio del Chianti Classico, und zum anschließenden Round-Table-Gespräch mit Herstellern, Kommunalpolitikern und Fachleuten aus dem Hochschulbereich ging es nicht zuletzt um aktuelle Entwicklungen und Problemlagen auf dem Gebiet der europäischen Weinproduktion im Wettbewerb mit den Anbietern aus Übersee, wobei die Reform der EU-Weinmarktordnung die Folie bildete. Ein Ausflug zu einer Biofarm mit dem Schwerpunktthema „alternative Bioenergie” schloss sich am Nachmittag an.

Alles andere als eine trockene Materie, gestaltete sich das Fachprogramm bei hochsommerlichen Temperaturen und einem landschaftlichen Ambiente, das das Bild oder besser das Klischee von der Toskana in jeder Hinsicht erfüllte, aufs Ganze hin gesehen durchaus Genuss orientiert, nicht ohne gleichzeitig − jenseits des europapolitischen Ansatzes − Konsumenten taugliche Informationen bezüglich der international unterschiedlichen Standards moderner Önologie zu vermitteln.

Meine Damen und Herren, nach der Reise ist vor der Reise, die, soweit es die Planung der Europa-Reise 2009 betrifft, geographisch auf die Region Europa Mitte ausgerichtet ist und damit − Länder übergreifend - auf den Raum Tschechien − Slowakei − Österreich ( mit Wien, dem Burgenland und Niederösterreich) sowie Ungarn. Bis 1918 Teil der Österreichisch-Ungarischen Donaumonarchie, bilden die genannten Länder seit 2004 eine in Wirtschaft, Gesellschaft und Politik eng kooperierende, sektoral bemerkenswert erfolgreiche Region innerhalb der EU, die so genannte Region Centrope, die nicht zuletzt − in je unterschiedlichen Kombinationen − attraktive Reiseziele bereit hält.

Wir haben uns für die Kombination der beiden Donaumetropolen entschieden: Wien als ehemalige Residenzstadt der Habsburger mit ihren bedeutenden Sehenswürdigkeiten sowie Bratislava, für mehrere Jahrhunderte Hauptstadt von Königlich Ungarn, mit dem Martinsdom als Krönungskirche der ungarischen Könige aus dem Hause Habsburg bis 1830, die heute als so genannte Twin Cities das wirtschaftliche Kerngebiet der Europaregion Centrope bilden. Verbunden mit Ausflügen zu Lande und zu Wasser zu touristischen Highlights im Burgenland und in den Kleinen Karpaten, erwartet uns ein außerordentlich reichhaltiges Programm, dessen europapolitischer Teil dem Projekt „Centrope” gewidmet sein wird.

Geplant ist die Reise für die erste Septemberhälfte, die Ausschreibung dürfte angesichts des erreichten Planungsstandes Ende März/Anfang April versandt werden.

Die Reihe „Europa fördert”, die 2006 mit dem Besuch der Turmhügelburg in Lütjenburg begründet wurde, wollen wir im kommenden Jahr mit einer entsprechenden Informationsveranstaltung in Schloss Hagen fortsetzen, das, wie man der Presse entnehmen kann, zur Zeit mit Unterstützung durch EU-Mittel saniert und zu Teilen restauriert wird. Im Frühsommer sollen die Arbeiten abgeschlossen sein, so dass wir Gelegenheit haben werden, uns im Rahmen eines sommerlichen (Wochenend-)Ausfluges vor Ort ein Bild von dem Ergebnis zu machen und uns dabei gleichzeitig fachkompetent über die Fördermodalitäten informieren zu lassen.

Bleibt anzumerken, dass die Preisverleihung zum 56. Europäischen Schülerwettbewerb im Ratssaal der neu gegründeten Stadt Schwentinental abgehalten werden wird. Erste Gespräche mit der Bürgermeisterin, Susanne Leyk, und den Schulleitern beider Ortsteile, Raisdorf und Klausdorf, haben stattgefunden, mit der Zusicherung von Herrn Kreft von der Realschule Raisdorf, mit seinen SchülerInnen für den musikalischen Rahmen der Feier zu sorgen - ungeachtet der Teilnahme der Schule am Wettbewerb bzw. dem erzielten Ergebnis. Wir freuen uns über das Engagement.

Veranstaltungen im Jahr 2009 (Planungsstand Dez. 2008)

19.03.  19.00 Uhr Restaurant Neeth, Lehmkuhlen
Kaminabend mit Manfred Ritzek, Vorsitzender des Arbeitskreises Europa der CDU-Landtagsfraktion, zum Thema: Die EU − umgeben von „stabilen und befreundeten Staaten”? Konzepte Europäischer Nachbarschaftspolitik unter Berücksichtigung der strategischen Partnerschaft mit Russland
09.05.  15.00 Uhr Ratssaal des Rathauses von Schwentinental,
Preisverleihung an die Gewinner des 56. Europäischen Schülerwettbewerbs des Kreises Plön
28.05.  18.30 Uhr
(geändert)
Restaurant Neeth, Lehmkuhlen
Jahresmitgliederversammlung des KV Plön
13.08.  19.00 Uhr
(geändert)
Hotel „Rosenheim”, Schwentinental
Vorbereitung der Europa-Reise 2009 nach Wien und Bratislava mit einem Vortrag zum Thema: „Von der k. und k. Monarchie zur Region Europa Mitte” , Referent: Prof. Dr. Ludwig Steindorff
01.09. bis 08.09. Europareise 2009 zu den Donaumetropolen Wien und Bratislava
01.10.  19.00 Uhr Restaurant „Alte Schwimmhalle” in Plön
„Reise-Nachlese” (geselliges Beisammensein mit Foto- und Videobörse)

Als neue Mitglieder der Europa-Union des Kreises Plön, die in diesem Jahr unserm Kreisverband beigetreten sind, begrüße ich im Namen des Vorstands noch einmal herzlich: Herrn Joachim Brunkhorst, Frau Gabriele Killig, Herrn Uwe Christian Rolschewski und Frau Dietlind Rolschewski. Wir freuen uns über ihr Interesse an unserer Arbeit und sehen einer konstruktiven Begleitung gern entgegen.

Zum Schluss, meine Damen und Herren, wünsche ich Ihnen Allen, stellvertretend für den Vorstand des Kreisverbandes, ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Start ins Neue Jahr.

Mit freundlichen Grüßen

Ilse Dygutsch-Lorenz



Frühere Rundbriefe