Rundbrief der Vorsitzenden zum Jahreswechsel 2009 / 2010

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe europäische Freunde,

was bis zum Schluss nach einem offenen Rennen aussah, hat schließlich ein glückliches Ende gefunden. Am 1. Dezember ist der Vertrag von Lissabon in Kraft getreten, nachdem - als letzte Hürde - der Präsident von Prag am 3. November mit seiner Unterschrift unter das Grundlagenabkommen seinen hinhaltenden Widerstand aufgegeben hat. Nach fast einem Jahrzehnt ist es damit gelungen, eine grundlegende Reform der EU zu realisieren, die Europa ein Stück demokratischer und transparenter macht und die es ihm ermöglicht, international mit einer einheitlichen Stimme zu sprechen. Auch hier gilt: lieber später als gar nicht. Schließlich ist es ein zentrales Anliegen des Reformvertrages, der EU im Sinne der Fortschreibung des Integrationsprozesses klarere Strukturen zu geben und damit auch in der erweiterten Form handlungsfähig zu halten.

Ob mit dem Reformvertrag ein neuer Entwicklungsabschnitt auf dem Weg zu einem föderativ geeinten Europa angestoßen worden ist oder – als Konsequenz aus den Querelen der letzten Jahre – statt Aufbruchstimmung Skepsis bzw. eine nüchterne Bilanzierung angesagt ist, was die Fähigkeit und den Willen des Europa der (noch) 27 zu weiter gehenden Reformen betrifft, wird die Zeit lehren. Sicher aber ist, dass mit dem Vertrag von Lissabon auch eine Richtungsentscheidung für ein Bürger näheres Europa getroffen worden ist.

Doch kommen wir nun zu unseren Planungen für das kommende Jahr. Nachdem das Projekt der festen Beltquerung als größtes europäisches Verkehrsinfrastrukturvorhaben Gegenstand eines Vortrags im Rahmen der Jahresmitgliederversammlung gewesen ist, wird uns das Thema Ostsee, konkret die europäische Ostseepolitik, auch auf dem für März geplanten dritten Kaminabend in Folge beschäftigen. Ausgangspunkt bildet die zum Jahresende zur Verabschiedung anstehende neue EU-Ostseestrategie, bei der es um nicht mehr und nicht weniger geht als darum, die Ostseeanrainerstaaten einzubinden in eine – wenn man so will – internationale Region mit der Zielsetzung, durch ein vernetztes Vorgehen und finanzielle Ressourcen Entwicklungsrückstände aufzuholen sowie die Potentiale der Gesamtregion auszuschöpfen. Laufzeit der Strategie: bis zunächst 2020.

Wir freuen uns, dass wir als Referenten für dieses aktuelle europapolitische Fachthema mit unmittelbaren Bezug für Schleswig-Holstein und die übrigen norddeutschen Länder, Uwe Döring, bis Juli Minister für Justiz, Arbeit und Europa dieses Landes, gewinnen konnten. Seine Themenstellung: „Der Ostseeraum – Modellregion konzertierten Handelns.”.

Wie Sie der Veranstaltungsübersicht für 2010 entnehmen können, planen wir für den Monat Mai den Besuch der 2008 in Schleswig eröffneten A.P. Møller-Skolen, neben der in Flensburg seit 1920 bestehenden Duborg-Skolen zweites Gymnasium für die dänische Minderheit in Deutschland - ein Geschenk der privaten Stiftung des dänischen Reeders Mærsk Mc-Kinney Møller in Höhe von 40 Mio. €.

Die Idee zu diesem Besuch führt sich zurück auf die Anregung eines Vorstandskollegen, der die A.P. Møller-Skolen privat besichtigt hat und – beeindruckt war. Das dänische Schulmodell, hier umgesetzt in einem unter einem Dach vereinten Gymnasium und einer Gesamtschule für die 7. bis 10. Klasse mit insgesamt etwa 500 Schülern, dazu die großzügige, Licht durchflutete skandinavische Architektur zusammen mit vorbildlichen Ausstattungsstandards von Klassen und Fachräume, provozieren den Vergleich mit deutschen Schulverhältnissen, freilich bei nur bedingt vergleichbaren Ausgangsbedingungen.

Wir haben mit dem Direktor der Schule, dem ehemaligen Leiter des Instituts für Grenzregionsforschung in Apenrade, Jørgen Kühl einen Besuchstermin für den 25. Mai ausgemacht mit Führung durch den architektonisch und in den Größendimensionen herausgehobenen Gebäudekomplex der A.P. Møller-Skolen einschließlich einem Informationsgespräch über das dänische/skandinavische Schulmodell, bekanntlich didaktisch-pädagogische Erfolgsmodelle im europäischen Maßstab, wie die Ergebnisse der PISA-Studien zeigen.

Zwei weitere attraktive Angebote für den geplanten Tagesausflug nach Schleswig halten wir bereit: den Besuch des St.-Johannis-Klosters, heute Adeligen Damenstift, mit Führung durch die Priorin sowie eine geführte Besichtigung des Doms St. Petri. Ausklingen lassen wollen wir die Schleswig-Exkursion mit einem Abendessen im Restaurant „Waldschlösschen”.

Gedacht ist an einen Ausflug mit privaten PKW und Bildung von Fahrgemeinschaften. Um in dieser Frage besser disponieren zu können, sollten sich Interessenten bis zum 31.01.10 für einen ersten Abgleich bei Jens Gloyer, Tel. 04307 - 1392, Email: jensgloyer@onlinehome.de, melden. Gegebenenfalls müssten wir auf einen VINETA-Kleinbus umsteigen.

Doch nun zum Thema Europa-Reise, zunächst mit einem Rückblick auf das diesjährige Reiseziel, die beiden Donaumetropolen Wien und Bratislava. Sie eint nicht nur eine lange gemeinsame Geschichte unter dem Hause Habsburg. Vielmehr bleibt zu konstatieren, dass beiden Städten als so genannte Twin Cities im Rahmen der Europaregion Mitte aus der ihnen zugedachten und – bei je spezifischer wirtschaftspolitischer Interessenlage – offenbar erfolgreich wahrgenommenen Rolle als Impulsgeber für Dynamik und Wettbewerbsfähigkeit innerhalb der Gesamtregion so etwas wie ein neues, europäischer Realpolitik geschuldetes Profil erwachsen ist.

Im Falle von Bratislava findet dieses nicht zuletzt seinen Ausdruck in einer in wenigen Jahren erfolgten städtebaulichen Überformung nach Art einer „booming city”, die in einem ersichtlichen Spannungsverhältnis zu dem gewachsenen Stadtbild und der Größe der slowakischen Hautstadt steht. Ausgelöst durch die in der Region Bratislava ansässigen ausländischen Investoren, die hier dieselbe strategische Ausgangslage vorfinden wie in Wien bei um die Hälfte niedriger ausfallenten Kosten, lösen der Bauboom und die diesbezüglich ins Visier genommenen Zuwachsraten bei kritischen Bürgern die besorgte Frage aus: „Was geschieht mit uns, wenn die Investoren eines nicht zu fernen Tages nach Osten weiter ziehen?”

Es konnte nicht ausbleiben, dass bei dieser Städtereise, ungeachtet der Fülle an touristischen Highlights, die Wien und Bratislava für den Besucher bereit halten, ganz abgesehen von den Ausflügen in den Wiener Wald, die Kleinen Karpaten und zur „Kleinen Schüttinsel” im angrenzenden Westungarn, der europapolitische Aspekt so etwas wie einen eigenen Stellenwert erhielt. Zwar trennen beide Metropolen geografisch nur 65 Kilometer voneinander, die auf der Donau mit dem so genannten Twin-City-Liner, einem Katamaran, in reichlich einer Stunde zu überwinden sind. Wie aber steht es mit der politischen Trennlinie, die der eiserne Vorhang über viele Jahrzehnte gezogen hat? Inwieweit hat sich die mentale Grenze in den Köpfen der Menschen in Richtung eines - wenn man so will - „centropischen” Bewusstseins aufgelöst, anknüpfend an die gemeinsamen historisch-kulturellen Wurzeln?

Nach eigenen Beobachtungen und Gesprächen am Rande der Reise sind Zweifel angebracht. Von „Kopfgeburten” ist da die Rede. Politische Vergangenheitsbewältigung, sozioökonomische Disparitäten und die sich abzeichnenden Tendenzen der Weiterentwicklung im eigenen Lande sind Themen, die die slowakischen Gesprächspartner bewegen, zumal wenn man in das Hinterland der prosperierenden Region der Süd-West- Slowakei vordringt. So gesehen, gewinnt denn auch das je besondere Erscheinungsbild von Wien und Bratislava und damit die eigentliche Unvergleichbarkeit beider als so genannte Twin-Cities fungierenden Metropolen in Größe, historischer Prachtentfaltung und gewachsener Anspruchshaltung so etwas wie Symbolcharakter für die Realien des „centropischen” Binnenverhältnisses. Nicht ohne damit gleichzeitig einen Eindruck von der das Leben in diesem Teil Mittel-Ost-Europas bestimmenden Wirkungsmacht europapolitischer Konzepte und ökonomischer Interessenlagen zu vermitteln.

Informativ unterfüttert wurde der praktische Anschauungsunterricht in zwei ausführlichen Gesprächen sowohl mit dem deutschen Botschafter in Bratislava wie im Anschluss daran mit dem Geschäftsführer der Deutsch-Slowakischen Industrie- und Handelskammer; aber auch durch die Begegnung dort mit einem aus Schleswig-Holstein stammenden Unternehmer, der nach vollzogenem Wechsel seines Firmensitzes Aufschlussreiches über die Standortvorteile der Region Wien-Bratislava zu berichten hatte.

Die Europa-Reise 2010 wird uns nach Schottland führen, die alles beinhalten wird, was man von dem „Mutterland aller echten Romantik”, so der schottische Nationaldichter, Sir Walter Scott, auch noch nach zweihundert Jahren erwarten darf: Geschichtsträchtige Burgen und Schlösser, angefangen bei der mächtigen Burganlage von Edinburgh und dem Palace of Holyrood House, Schauplatz dramatischer Ereignisse unter der Herrschaft von Mary Stuart und heute offizielle Residenz der britischen Königin in Schottland, malerische Berg- und Seenlandschaften in den Highlands und der geologischen Einbruchzone „Great Glen”, dort mit einer Bootsfahrt auf dem Loch Ness, aber auch die Besichtigung des für die Stuarts schicksalhaften Culloden Battlefield und einer eintägigen Schifffahrt zu den Hebriden-Inseln Mull, Iona und Staffa, letztere mit der berühmten 85 m langen, aus Basaltsäulen bestehende Fingalshöhle, die Felix Mendelsson Bartholdy nach seinem Besuch 1829 zu seiner Hebriden Ouvertüre inspiriert haben soll.

Vorgesehener Reisetermin: vom 31.08. bis zum 07.09.10. (neuer Termin: 25.08. - 01.09.) Die Verhandlungen mit dem Reiseveranstalter stehen vor ihrem Abschluss. Darum zu diesem Zeitpunkt nur noch soviel: Die Zahl der Reiseteilnehmer wird diesmal auf unter 30 begrenzt sein.

Ein Wort noch zur Preisverleihung zum 57. Europäischen Schülerwettbewerb im Adeligen Kloster Preetz. Wir freuen uns, dass wir mit diesem lokal- und kulturgeschichtlich bedeutenden Veranstaltungsort einmal mehr Schülern, Eltern und Lehrern einen besonders festlichen Rahmen für die kleine Feierstunde bieten können – mit anschließender Kaffeetafel unter den Bäumen des Klostergeländes. Dabei verdient besondere Erwähnung die Aufgeschlossenheit und das Entgegenkommen, mit der die Priörin des Klosters, Viktoria von Flemming, unserer Anfrage begegnet ist.

Veranstaltungen im Jahr 2010 (Planungsstand Dez. 2009)

(Änderungen Jan.2010)

18.03.  19.00 Uhr Restaurant Neeth, Dammdorf, Preetzer Str. 1-3
Kaminabend mit Uwe Döring, Europaminister a.D., zum Thema:
Der Ostseeraum – Modellregion konzertierten Handelns
Zielsetzung und Politikfelder der neuen EU-Ostseestrategie unter Berücksichtigung der Perspektiven für Schleswig-Holstein
08.05.  15.00 Uhr Adeliges Kloster Preetz (Klosterkirche und Festzelt)
Preisverleihung an die Gewinner des 57. Europäischen Schülerwettbewerbs des Kreises Plön
25.05. Besuch der A.P. Møller-Skolen in Schleswig
Tagesausflug – Domführung und Besichtigung des St. Johannes Klosters inbegriffen
17.06.  18.30 Uhr Hotel Stadt Kiel, Schönberg
Jahresmitgliederversammlung des KV Plön
Im Anschluss daran: Bericht von BM Wilfried Zurstraßen über die Etappen des Förderprojektes Schönberger Seebrücke bis zur Wiedereröffnung 2001 (Lokaltermin ist vorgesehen)
12.08.  19.00 Uhr Hotel „Rosenheim”, Schwentinental
Vorbereitung der Europareise 2010 nach Schottland mit einem Vortrag zum Thema: „Schottland – Nördliches Territorium von Großbritannien: der Idee nationaler Selbstständigkeit verhaftet” Referent: NN
25.08. bis 01.09. Europareise 2010 nach Schottland
16.09.  19.00 Uhr Restaurant „Alte Schwimmhalle” in Plön
„Reise-Nachlese” (geselliges Beisammensein mit Foto- und DVD-Börse)

Als neue Mitglieder der Europa-Union des Kreises Plön, die in diesem Jahr unserm Kreisverband beigetreten sind, begrüße ich im Namen des Vorstandes noch einmal herzlich: Herrn Moritz Alter, Frau Jutta Klinger und Frau Ruth Kunze. Wir freuen uns über ihr Interesse an unserer Arbeit.

Zu guter letzt, meine Damen und Herren, ein frohes Weihnachtsfest und alles Gute für das vor uns liegende Jahr 2010 wünscht Ihnen, stellvertretend für den Vorstand des Kreisverbandes,

mit freundlichen Grüßen

Dr. Ilse Dygutsch-Lorenz



Frühere Rundbriefe