Rundbrief der Vorsitzenden zum Jahreswechsel 2010 / 2011

Meine Damen und Herren,
liebe europäische Freunde,

die Schulden- und Währungskrise der Euro-Länder beherrscht die Gazetten und den Themenspiegel einschlägiger Talkshow-Formate über viele Wochen. Die Rettung des Euros und damit die Rettung Europas bilden in der öffentlichen Debatte der politischen Klasse mittlerweile einen unlösbaren Zusammenhang, was bei der Kanzlerin seinen Ausdruck in den Worten findet: „Wenn der Euro scheitert, scheitert Europa“, während die dramatisierte Fassung des französischen Staatspräsidenten: „Wenn der Euro fällt, wird Europa im selben Moment explodieren“ auf den Ereignischarakter des Sachverhalts abhebt.

Hatte EU-Ratspräsident Van Rompuy im November mit seiner öffentlich geäußerten Befürchtung, die Krise könne im schlimmsten Fall nicht nur die Eurozone gefährden, sondern auch ein Auseinanderbrechen der europäischen Union zur Folge haben, noch nachsichtiges Befremden ausgelöst, so hat sich im Verlauf der fortschwelenden Finanzkrise bei Vertretern aus Wirtschaft und Politik inzwischen die Erkenntnis breit gemacht, „dass nichts Undenkbares undenkbar ist“. Was heißt: Im Prinzip kann alles eintreten.

Frei floatende Szenarien legen Zeugnis von der Bandbreite diesbezüglicher Standpunkte und Einschätzungen ab, einschließlich der Aufforderung von berufener Seite an die Europäische Union, sich von der Illusion zu lösen, jeden überschuldeten Euro-Staat vor der Insolvenz bewahren zu können, werde damit doch letztlich die Zukunft des Euros geschwächt. Umso drängender gerade jetzt, nach Beschluss des Europäischen Rates über einen dauerhaften Rettungsschirm ab 2013, der Appell an die Mitgliedsstaaten, unter Hintansetzung nationaler Interessen möglichst zügig eine gemeinsame Wirtschafts- und Finanzpolitik folgen zu lassen und damit den zentralen Fehler bei Einführung des Euro zu korrigieren. Mehr Europa ist angesagt. Nur so kann eine Bewältigung der Krise gelingen.

Folgen wir bis auf weiteres der optimistischen Sichtweise von Hans Eichel, diese gestützt auf die Erfahrungen als Bundesfinanzminister: „…die Wahrheit ist immer dieselbe. Nur in Krisenzeiten geht Europa nach vorne“. Ein Beispiel dafür gibt die Kanzlerin ab, die seit neuestem die Europäische Union auf dem Weg zu „einer Wirtschaftsregierung“ sieht, vor einem Jahr noch fast undenkbar. Von dem Bild eines immer enger zusammenwachsenden Europa ist da die Rede – allerdings mit dem Zusatz: „zum Teil mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten“.

Wir wollen die Thematik in ihren verschiedenen Facetten als erste Veranstaltung des neuen Jahres zum Gegenstand eines Kaminabends am 17. März machen unter dem Titel „Kann die EU den Euro schützen?“. Referent: Dr. Jens Boysen-Hogrefe vom Institut für Weltwirtschaft.

Ich möchte auf zwei weitere Veranstaltungen, die wir für 2011 geplant haben, kurz eingehen. Da wäre zunächst der Vortrag zum Thema „Datenschutz im IN“ als Begleitprogramm der Jahresmitgliederversammlung am 16.06.11 zu nennen. Als Referent steht uns der Landesbeauftragte für Datenschutz in Schleswig-Holstein, Dr. Thilo Weichert zur Verfügung.

Aufhänger dafür bilden die für 2011 anstehenden Vorschläge der Europäischen Kommission für eine neue allgemeine Datenschutzregelung, die darauf abzielt, unter den Bedingungen der globalen Informationsgesellschaft, den Schutz der Daten des Einzelnen durch ausreichend klare und konsequente Datenschutzbestimmungen zu sichern und gleichzeitig den freien Verkehr personenbezogener Daten im EU-Binnenmarkt durch Bürokratieabbau und harmonisierende Maßnahmen zu stärken. Der darin angelegte Konflikt ist nicht zu übersehen und hat gerade in diesen Tagen in der zugespitzten Form der Wikileaks-Veröffentlichung eine neue Qualität angenommen.

Für das kommende Jahr planen wir, die Reihe „Europa fördert“, die 2006 mit einer Informationsveranstaltung in der Turmhügelburg in Lütjenburg ihren Anfang genommen hat, mit der Vorstellung eines weiteren Förderprojektes der EU im Kreis Plön wieder aufnehmen. Wir denken dabei an das Schloss Hagen, das in diesem Sommer nach dreijähriger Sanierung, was, wie sich nachträglich ergab, Restaurierungsarbeiten an wertvollen, Denkmal geschützten Funden in sich einschloss, der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden ist. Mittel des Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des Ländlichen Raums haben die umfassende Sanierung des Herrenhauses maßgeblich ermöglicht: mit einer Fördersumme von immerhin 522.500 Euro und damit 50 Prozent der förderfähigen Kosten, während die restlichen 50 Prozent an so genannten Komplementärmitteln den Akquisitionsbemühungen des Fördervereins Schloss Hagen e.V. gut zu schreiben sind.

Im Gespräch mit den Betroffenen und beteiligten Sachverständigen wollen wir uns näher informieren und dabei das Herrenhaus natürlich auch in seinem neuen Glanz in Augenschein nehmen. Der Termin ist noch offen. Vorgesehen ist Herbst 2011.

Vor dem Ausblick auf die für 2011 geplanten Reiseaktivitäten eine kurze Rückschau auf die Europareise dieses Jahres. Wie kaum anders zu erwarten, hat die Reise nach Schottland mit ihrer Vielfalt an touristischen Highlights, ihren malerischen Berg- und Seenlandschaften und dem besonderen, in Literatur und Musik sich widerspiegelnden Gehalt der Schottischen Geschichte die Erwartungen der Reiseteilnehmer in puncto Erlebniswerte voll und ganz erfüllt. Gleichzeitig aber auch, was den Jahrhunderte langen, in blutigen Schlachten ausgetragenen Dauerkonflikt mit dem Nachbarn England um die Vorherrschaft betrifft, als Teil der politischen Kultur mit dem Schicksal der Clans in den Highlands eng verknüpft, das Sensorium für das aktuell fortwirkende Unabhängigkeitsstreben der Schotten geschärft. Dieser Thematik galt unsere Diskussion im schottischen Parlament, das nach fast 300 Jahren als Ergebnis eines erfolgreich verlaufenen Referendums zur Teilautonomie Schottlands 1999 nach Edinburgh zurückgekehrt ist. Heute zielen die Ambitionen der von der Schottischen Nationalpartei getragenen Minderheitsregierung weiter: Angesagt ist dort ein Referendum zur totalen Unabhängigkeit von Großbritannien - eine (hindernisreiche) Zielsetzung auch von europäischer Dimension.

Ein Wort noch zum Tagesausflug nach Schleswig mit Besuch der A.P. Møller-Scholen für Schüler der dänischen Minderheit, Domführung und Besichtigung des St. Johannes Klosters als gewissermaßen neues – zusätzliches – Reise-Format des Kreisverbandes. Das Angebot war binnen kürzester Zeit ausgebucht und fand inhaltlich wie in der Durchführung große Zustimmung.

Nach der Reise ist bekanntlich vor der Reise, wobei sich im konkreten Fall zeigt, dass wir davon nicht unbeeinflusst geblieben sind, im Gegenteil: thematisch sogar an Schleswig anknüpfen. Statt wie in den letzten Jahren eine einwöchige Flugreise ins europäische Ausland mit Schwerpunkt auf den neuen EU-Mitgliedsländern anzubieten, splitten wir das Angebot für 2011 in zwei Kurzreisen. Den Anfang macht ein Tagesausflug nach Hamburg am 27. Mai mit einem gleichermaßen attraktiven wie informativen Besichtigungsprogramm, das als zentralen Anlaufpunkt das nationale Forschungszentrum DESY und damit eines der weltweit führenden Teilchenbeschleuniger-Zentren zur Erforschung der Struktur der Materie beinhaltet wie darüber hinaus die Besichtigung der im Bau befindlichen und nicht ganz unumstrittenen Elbphilharmonie mit anschließender Führung durch die immer noch in der Weiterentwicklung begriffenen Hafen City. Angedacht ist auch hier, wie bei dem diesjährigen Tagesausflug nach Schleswig, als Ausklang ein gemeinsamer Restaurantbesuch. Die Anzahl der Teilnehmer ist entsprechend der offiziellen Vorgaben auf 20 Personen begrenzt. Statt mit dem eigenen PKW zu fahren, ist diesmal eine Busfahrt vorgesehen. Der Preis für die eintägige Hamburg-Exkursion beläuft sich auf 42,- €.

Angemerkt sei, dass die Besichtigung der Elbphilharmonie eine gewisses Maß an Kondition und Fußläufigkeit voraussetzt, da zwölf Stockwerke zu überwinden sind, um von der Plaza aus den unvergleichlichen Blick über die City von Hamburg, den Hafen und die Elbe bis zur Köhlbrandbrücke zu genießen. Ob man sich das zumuten kann, gilt es gut zu bedenken. Denn ein Abbruch des „Aufstiegs mit Verweilpausen“ würde die gesamte Gruppe betreffen.

Am 24. August brechen wir dann auf zu unserem dreitägigen Nachbarschaftsbesuch der deutschen Minderheit in Nordschleswig, wo uns ein vielfältiges, in enger Abstimmung mit dem Haus Nordschleswig in Apenrade konzipiertes Besuchsprogramm erwartet mit Gesprächen, Besichtigungen und Museumsbesuchen, durchgehend gestützt auf die professionelle Führung des Historikers und Archivars Frank Lubowitz bzw. anderer Fachleute. Neben den historisch-zeitgeschichtlichen und politischen Aspekten des Programms fehlt es nicht an kulturhistorisch-touristischen Sehenswürdigkeiten, ohne dass beides immer voneinander zu trennen wäre – denken wir beispielhaft an Ribe (Vertrag von Ripen) mit seiner Domkirche, nach Haitabu ältester Kirchenort Nordeuropas, das Lügumkloster von 1193 mit der romanisch-gotischen Klosterkirche, gerühmt als eine der schönsten des dänischen Mittelalters, nicht zu vergessen aber auch der Schlosspark von Gravenstein, den wir besuchen werden, oder Jelling mit seinen bronzezeitlichen Grabhügeln und den Runensteinen aus der Wikingerzeit, die als Ensemble zum UNESCO Weltkulturerbe gehören.

Programmatisch lassen sich die drei Tage in Nordschleswig einteilen in einen „historischen Tag zur Geschichte Nordschleswigs“ mit Besuch der Düppeler Schanzen, des Museums Sonderburg Slot und des Deutschen Museums Nordschleswig und einen Informationstag zum Thema „Situation der deutschen Volksgruppe in Nordschleswig: Gegenwart und Zukunft“ – zunächst in Apenrade mit Gesprächen im Hause Nordschleswig, im dortigen deutschen Gymnasium und in der Redaktion der Zeitung „Der Nordschleswiger“. Am Nachmittag dann der Besuch des Jugendhofs Knivsberg mit Führung und Hintergrundinformationen zur Geschichte der Einrichtung und zum Abschluss dann ein Treffen in der Deutschen Nachschule in Tingleff, eine private Internatsschule als Angebot an deutsche und dänische Schüler für die 9. bis 10. Klassenstufe.

Der dritte Tag, zugleich Abreisetag, ist schließlich „Stationen der dänischen Geschichte“ gewidmet. Den Einstieg bildet zunächst Hadersleben mit einem Besuch der Marienkirche/Dom, wo uns eine deutsche Pastorin über die Beziehungen der Kirche als ehemaliges Kollegiatskapitel zum Schleswiger Dom in der Zeit des Mittelalters aufklären wird. Weiter geht es zum Koldinghus Museum, eine ehemalige, vielfach erweiterte und restaurierte Königsburg und heute gleichzeitig Beispiel für eine faszinierende moderne Museumsarchitektur, mit anschließendem Abstecher nach Jelling. Als weitere Höhepunkte dann die beiden letzten Stationen, bevor wir nach Schleswig-Holstein zurückkehren: Ribe mit Stadt- und Domführung – und Mittagsimbiss sowie abschließend die geführte Besichtigung von Lügum-Kloster.

Übernachten werden wir im “Haus Quickborn“, eine besonders schön gelegene Einrichtung des Bundes Deutscher Nordschleswiger direkt an der Flensburger Förde in Kollund, mit fließend warmem und kaltem Wasser im Zimmer, Halbpension inbegriffen – zu Preisen, die zwei Übernachtungen in Dänemark erschwinglich machen. Die Teilnehmerzahl, vorgegeben durch die äußeren Rahmenbedingungen, beschränkt sich auf maximal 25 Personen. Gefahren wird wiederum mit dem Bus. Für die dreitägige Reise belaufen sich die Reisekosten pro Person im DZ auf 205,- €, im EZ auf 215,- €. Zu Ihrer näheren Information fügen wir dem Rundbrief den Flyer von „Haus Quickborn“ bei.

Meine Damen und Herren, sollten unsere Angebote, der Tagesausflug nach Hamburg und/oder die dreitägige Rundreise durch Nordschleswig Ihr Interesse gefunden haben, bitten wir Sie, sich bis zum 31.01.2011 auf dem beiliegenden Formblatt anzumelden. Die Anmeldungen werden in der Reihenfolge des postalischen Eingangs berücksichtigt.

Die Fahrtkosten für die eintägige Hamburg-Exkursion in Höhe von 42,- € sind bis Freitag, den 06.05.11 auf das Konto des Kreisverbandes Plön der Europa-Union bei der VR Bank Ostholstein Nord – Plön eG, Kontonummer 7 022 328 (BLZ 213 900 08) einzuzahlen, die Reisekosten für den dreitägigen Besuch in Nordschleswig bis Donnerstag, den 30. Juni 11.

Veranstaltungen im Jahr 2011 (Planungsstand Dez. 2010)

17.03.  19.00 Uhr Restaurant Neeth, Dammdorf
Kaminabend zum Thema: „Kann die EU den Euro schützen?“ Referent: Dr. Jens Boysen-Hogrefe (Institut für Weltwirtschaft)
14.05.  15.00 Uhr Adeliges Kloster Preetz (Klosterkirche und Festzelt)
Preisverleihung an die Gewinner des 58. Europäischen Schülerwettbewerbs des Kreises Plön
27.05. Ganztägige Exkursion nach Hamburg: Besuch des Forschungszentrums DESY. Anschließend Besichtigung der Elbphilharmonie (Baustelle von HOCHTIEF) und Führung durch die HafenCity
16.06.  18.00 Uhr Restaurant Neeth, Dammdorf
Jahresmitgliederversammlung des KV Plön
Im Anschluss daran: Vortrag zum Thema: „Datenschutz im IN: Balance zwischen barrierefreiem Datenfluss und geschützter Privatsphäre“. Referent: Dr. Thilo Weichert, Landesbeauftragter für Datenschutz in Schleswig-Holstein
11.08.  19.00 Uhr Schulungszentrum der Baugesellschaft Schwalbe, Preetz Vorbereitung der Reise zur deutschen Minderheit nach Nordschleswig mit einem Vortrag zum Thema: „Grenzen und Grenzwahrnehmung in Nordschleswig“, Referent: Dr. Jan Schlürmann
24. – 26.08. Besuch des Bundes Deutscher Nordschleswiger mit Besichtigungen zentraler Einrichtungen und historischer Stätten (Zielorte: Düppel, Sonderburg, Apenrade, Knivsberg, Tingleff, Hadersleben, Kolding, Jelling, Ribe, Lügumkloster)
im November
(angedacht)
Schloss Hagen in Probsteierhagen
„Ein Herrenhaus in neuem Glanz: Europa macht´s möglich“, Informationsveranstaltung zu den Fördermodalitäten der EU mit Vertretern des ALR, des Fördervereins und der Gemeinde

Als neue Mitglieder der Europa-Union des Kreises Plön, die in diesem Jahr unserm Kreisverband beigetreten sind, begrüße ich im Namen des Vorstandes herzlich: Frau Anette Langner (MdL), Herrn Philipp Sellschopp und Frau Kristina Sellschopp sowie als korporatives Mitglied die Gesellschaft der Freunde der Mittelalterlichen Burg in Lütjenburg e.V. Wir freuen uns über das Interesse der neuen Mitglieder an unserer Arbeit und sehen einer konstruktiven Begleitung gern entgegen.

Zum Schluss, meine Damen und Herren, wünsche ich Ihnen Allen, stellvertretend für den Vorstand des Kreisverbandes, ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Start ins Neue Jahr.

mit freundlichen Grüßen

Dr. Ilse Dygutsch-Lorenz



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