Rundbrief der Vorsitzenden zum Jahreswechsel 2011 / 2012

Meine Damen und Herren,
liebe europäische Freunde,

mit 2011 geht nicht nur ein Jahr der eskalierenden Finanz- und Schuldenkrise zu Ende. Ereignisse wie der Umbruch in Nordafrika mit weit reichenden Konsequenzen in politischer, wirtschaftlicher und geostrategischer Hinsicht ebenso wie die Nuklear- katastrophe in Fukushima, die in Deutschland eine fundamentale Kurskorrektur in Sachen Energiepolitik ausgelöst hat, sollen hier nicht unerwähnt bleiben, zumal beide in Einzelaspekten Eingang in die Veranstaltungsplanung für 2012 gefunden haben.

Es ist hier nicht der Ort, auf die Beschlüsse des vorerst letzten EU-Gipfels vom 8. und 9. Dezember näher einzugehen, mit denen nach Feststellung von Angela Merkel eine Fiskal- und Stabilitäts-Union auf den Weg gebracht worden ist, beruhend auf staatlicher Eigenverantwortung, europäischer Solidarität sowie auf Schuldenbremsen und Sanktionen als Basis des „neuen Vertrauens“ innerhalb der Euro-Länder. Aus Sicht der Kanzlerin Grundlage dafür, dass die EU und die Eurozone – auch nach Rückschlägen – gestärkt aus einer “der schwersten Krisen Europas“ hervorgehen können.

Unbestritten haben damit Frankreich und Deutschland als treibende Kraft, die gemeinsame Währung durch Regulierungsmaßnahmen innerhalb der Eurozone vor dem Scheitern zu retten, einen Beitrag zur vertieften europäischen Integration geleistet, die als solche in ihrer inhaltlichen Ausgestaltung noch vor einem Jahr undenkbar gewesen wäre. Freilich nehmen beide Regierungen damit auch Gefährdungen in Kauf, die, wie Kritiker monieren, den Zusammenhalt innerhalb der EU berühren und ihre Institutionen schwächen, ganz abgesehen von der Fundamentalkritik aus Kreisen der Opposition, mit der getroffenen Lösung einer Fiskal-Union keine Antwort auf die Ursachen der Eurokrise gegeben zu haben.

Eine Kommentierung der skizzierten Standpunkte steht hier nicht an. Stattdessen bleibt an den Symbolwert zu erinnern, der dem Euro als gemeinsames Zahlungsmittel bei seiner Einführung vor zehn Jahren beigemessen wurde, von Seiten der Presse mit der „Geburtsstunde eines Kontinents“ verglichen. An die Stelle der eher pathetischen Formulierung setzen wir den Begriff des europäischen Projektes, das zu scheitern droht, sollte die Finanz- und Schuldenkrise nicht gemeistert werden. Streit und Disput um den richtigen Weg sind folglich angesagt. Schließlich kann man sich der Auffassung von Frederico Foders, Wirtschaftswissenschaftler vom Kieler Institut für Weltwirtschaft, nicht entziehen, der, auf einer Veranstaltung in den letzten Wochen gefragt, welcher Stellenwert dem europäischem Projekt aktuell noch beizumessen sei, die lakonische Feststellung traf: „Europa hat keine Chance, darauf zu verzichten.“

Doch kommen wir nun zu den Programmplanungen des Kreisverbandes für 2012. Der demokratische Aufbruch in Nordafrika - in Tunesien, Ägypten und Libyen, die unter dem Rubrum „Arabischer Frühling“ als epochales Ereignis des abgelaufenen Jahres über viele Monate die Medienagenden international geprägt haben, werden Gegenstand eines weiteren Kaminabends bilden, des fünften in Folge, wofür die zweite Jahreshälfte vorgesehen ist. Über die Ursachen des Umbruchs und die Richtung der sich abzeichnenden Transformationsprozesse in den einzelnen Ländern wird zu sprechen sein ebenso wie über das Engagement Europas, durch Unterstützung demokratischer Reformmaßnahmen die Grundlagen für eine dauerhafte Stabilisierung der südlichen Nachbarregion zu schaffen. Wie hat man sich die Gestaltung der Zusammenarbeit vorzustellen? Eignet sich dazu das Instrumentarium der bisher praktizierten Nachbarschaftspolitik oder bedarf es einer politischen Neujustierung des Verhältnisses zu den Ländern dieser Region? Und schließlich, so bleibt weiter zu fragen: Wie definiert Brüssel aktuell seine Mittelmeerpolitik?

Das Thema der Veranstaltung: „Demokratischer Aufbruch in Nordafrika – eine Herausforderung auch für Europa?“ Referent: NN.

Wir wollen mit der Reihe der Kaminabende, die aktuelle Entwicklungen und europa- politische Grundsatzfragen thematisieren, unsern Mitgliedern und Gästen Gelegenheit zu Information und Diskussion mit sachverständigen Gesprächspartnern aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft bieten und, falls gewünscht, dazu beitragen, das vorhandene Basiswissen zu erweitern. Beispiel dafür der Kaminabend im abgelaufenen Jahr zum Thema Eurokrise mit Dr. Jens Boysen-Hogrefe vom Kieler Institut für Weltwirtschaft, als erstmals Schüler gymnasialer Oberstufenklassen zu den Teilnehmern zählten. Der „Auftrag“ der begleitenden Lehrer an den Veranstalter: in Zukunft bitte zu Kaminabenden eingeladen zu werden.

Ein weiteres aktuelles Thema unseres Veranstaltungsprogramm für 2012 knüpft an die Energiewende der Bundesregierung als Antwort auf die Atomkatastrophe von Fukushima an. Während man in Brüssel wieder verstärkt auf Atomenergie setzt, um die vorgesehene Absenkung des CO2-Ausstoßes bis 2050 zu erreichen, ist in Deutschland die dezentrale Versorgung durch erneuerbare Energieträger angesagt – mit neuen Herausforderungen auf den verschiedenen Ebenen von Politik und Wirtschaft.

Wir wollen es genauer wissen und haben darum Bernd Meier, Geschäftsführer der Stadtwerke Schwentinental, gebeten, im Anschluss an die Jahresmitgliederversammlung am 21. Juni 2012 einen Vortrag zum Thema „Das Energiekonzept der Bundesregierung und die Auswirkungen auf die kommunalen Versorgungsstrukturen“ zu halten.

Dezentrale Stromversorgung, gekoppelt mit lokalen Bündnissen zwischen Erzeugern, Netzbetreibern, Speicheranbietern und technischen Dienstleistern, werden als Geschäftsmodelle der Zukunft diskutiert, die dann zum Tragen kommen sollen, wenn die erneuerbaren Energieträger im Nahbereich den Bedarf an Strom und Wärme soweit decken, dass sie als kosteneffektive Alternative angesehen werden können.

Welche Bedeutung misst Bernd Meier Perspektiven wie diesen für die Praxis eines mittelständischen Unternehmens der Energieversorgung bei, inwieweit hat man bei den Stadtwerken Schwentinental das klassische Geschäftsmodell dem sich abzeichnenden Trend bereits angepasst, darüber und mehr wird Bernd Meier aus erster Hand zu berichten wissen und sich gleichzeitig unseren Fragen als Energieabnehmer stellen.

Das Thema „Europareise 2012“, die diesmal in die Provence führt, habe ich ausgespart, da Ihnen die Ausschreibung zu dieser Reise vorliegt und Sie somit über die Reiseroute und das, was Sie als touristische Highlights erwartet, informiert sind. Offenbar haben wir Sie hinsichtlich Attraktivität und Vielfalt des Angebots nicht enttäuscht, abzulesen daran, dass innerhalb der ersten zwei Tage nach postalischem Zugang der Ausschreibung 19 Anmeldungen vorlagen. Eine vergleichbare Nachfrage haben bisher nur die beiden Kurzfahrten 2011 erzielt: nach Hamburg mit attraktivem Besichtigungsprogramm sowie die dreitägige Exkursion nach Nordschleswig mit Besuch der deutschen Minderheit in Apenrade, so dass wir das Format der Kurzreise auch zukünftig im Auge behalten werden.

Die diesjährige Frankreichreise mit der geografischen Zielregion Provence hat uns veranlasst, die Zusammenarbeit mit der Deutsch-Französischen Gesellschaft Kiel sowohl bei der Vorbereitung wie bei der Nachlese der Reise zu suchen, mit, wie wir denken, überzeugendem Ergebnis, wozu ich auf den nachfolgenden Veranstaltungsplan für 2012 hinweisen darf.

Dass der angekündigte „Gesellige Weinabend mit Französischem Flair“ am 5. Septem- ber den Rückblick auf die Provence-Reise in sich einschließt, versteht sich von selbst, nicht ohne gleichzeitig dem Kulturfaktor Frankreich in seinen unterschiedlichen Facetten Reverenz erweisen zu wollen. Kulinarisch fügen sich zum Wein samt passender Spezialitäten das musikalische Rahmenprogramm, dargeboten, so geplant, vom deutsch-französischem Chor „Prêt-à-Chanter“, dessen Repertoire Beispiele deutschen Liedguts nicht ausspart, sowie literarische, thematisch vorgezeichnete Kostproben französischer und deutscher Herkunft, präsentiert von Rezitatoren aus dem Kreis der Reiseteilnehmer. Von der Zielsetzung her so etwas wie eine deutsch-französische Soiree, angelegt als inspirierendes Zusammenwirken der zur „Abendgesellschaft“ versammelten Gäste, besteht für uns kein Zweifel am Gelingen des Gemeinschaftsprojektes.

Zum Schluss noch ein Wort zum Veranstaltungsort der Preisverleihung an die Gewinner des 59. Europäischen Schülerwettbewerbs des Kreises Plön. Was lag näher, als bei dem Förderverein der Turmhügelburg im Nienthal von Lütjenburg e.V., seit einem Jahr korporatives Mitglied des Kreisverbandes, anzufragen, der nicht nur seine Burganlage für die kleine Feierstunde mit Schülern, Lehrern und Gästen öffnen, sondern auch für den mittelalterlichen Rahmen sorgen wird. Gefördert durch EU-Mittel, ist dem Projekt „Rekonstruktion eines Château à Motte“ 2009 offiziell der Status eines Museums Turmhügelburg verliehen worden und bildet – nicht erst als solches - einen Anziehungspunkt für Besucher von nah und fern, unter ihnen nicht zuletzt Schulklassen mit ihren Lehrern.

Damit ist es uns einmal mehr gelungen, eine „Location“ von regionaler Ausstrahlung und Attraktivität auch für die Preisverleihung 2012 aufzutun, ein Faktor, der, wie die Erfahrung zeigt, die öffentliche Resonanz, aber auch die Beteiligung von Schülern, Lehrern und Gästen mitbestimmt.

Veranstaltungen im Jahr 2012 (Planungsstand Dez. 2011)

18.04.  19.00 Uhr Hotel „Rosenheim“, Schwentinental
Vorbereitung der Europareise 2012 in die Provence mit einem Vortrag zum Thema „Die Provence: Kulturlandschaft des Lichtes und der Farben“, Referentin: Annick Take, Hochschullektorin für Französisch an der Kieler Universität
03. bis 10.05. Europareise 2012 in die Provence
02.06.  15.00 Uhr Turmhügelburg im Nienthal von Lütjenburg
Preisverleihung an die Gewinner des 59. Europäischen Schülerwettbewerbs des Kreises Plön
21.06.  18.00 Uhr Restaurant Neeth, Dammdorf
Jahresmitgliederversammlung des KV Plön
Im Anschluss daran Vortrag zum Thema: „Das Energiekonzept der Bundesregierung und die Auswirkungen auf die kommunalen Versorgungsstrukturen“, Referent: Bernd Meier, Geschäftsführer der Stadtwerke Schwentinental
05.09.  19.00 Uhr Arp`s Gasthof, Flüggendorf
Geselliger Weinabend mit französischem Flair, unter Mitwirkung der Mitglieder von „Prêt-à-chanter“, Chor der Deutsch-Französischen Gesellschaft Kiel
03.11.  19.00 Uhr Restaurant Neeth, Damdorf
Kaminabend zum Thema: „Demokratischer Aufbruch in Nordafrika – eine Herausforderung auch für Europa?“ Referent: NN

Als neue Mitglieder der Europa-Union des Kreises Plön, die 2011 unserm Kreisverband beigetreten sind, begrüße ich im Namen des Vorstandes noch einmal herzlich: das Ehepaar Herrn Eckhard Galdiks und Frau Monika Roediger. Wir freuen uns über Ihr Interesse an der Arbeit der Europa-Union und sehen einer konstruktiven Begleitung mit Interesse entgegen.

Nachdem wir die Ausschreibung zur Europareise 2012 und den zum Jahresende gewohnten Rundbrief terminlich entzerrt haben, bleibt mir nur noch, Ihnen allen meine Damen und Herren, stellvertretend für den Vorstand des Kreisverbandes ein glückliches und erfolgreiches Jahr 2012 zu wünschen.

mit freundlichen Grüßen

Dr. Ilse Dygutsch-Lorenz



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