Rundbrief der Vorsitzenden zum Jahreswechsel 2012 / 2013

Meine Damen und Herren,
liebe europäische Freunde,

die Gesellschaft für deutsche Sprache hat ihre Entscheidung getroffen: „Rettungsroutine“ wurde zum Wort des Jahres 2012 gewählt, woraus sich ablesen lässt, in welchem Grad die europäische Wirtschafts- und Finanzkrise Eingang in die öffentliche Diskussion gefunden und damit letztlich das Lebensgefühl auch der deutschen Bürger bestimmt hat; nicht nur verantwortliche EU-Politiker befürchten, dass die Begriffe Krise und Europa zu einem Synonym geworden sind. Der Zeitpunkt der Verleihung des Friedensnobelpreises an die EU am 10. Dezember in Oslo, in Würdidigung der Verdienste, die sich die Union als Friedensfaktor in sechs Jahrzehnten erworben hat und zugleich als Auftrag für die Zukunft, könnte in dieser Situation dramaturgisch kaum wirkungsvoller gesetzt worden sein.

Nach einer Zeit des alles bestimmenden Krisenmanagements geht es nun darum, die Zusammenarbeit der Mitgliedsländer durch Zusammenführung von Zuständigkeiten auf europäischer Ebene zu vertiefen, festgemacht an dem Projekt einer europäischen Bankenunion mit einer gemeinsamen Bankenaufsicht für Teilnehmer-Länder, das im kommenden Jahr Gestalt annehmen soll. Zielführend ist dabei der operativ-instrumentelle Aspekt, d.h. eine gesteigerte Effektivität des Krisenmanagements bei gleichzeitiger Feinjustierung der nationalen Interessen bilden die Grundlage der vorgesehenen Strukturreform.

Wenn auch der letzte Gipfel der Staats- und Regierungschefs dieses Jahres, als Reformgipfel angekündigt, nicht das hielt, was er sein sollte, darf man sich wohl der Prognose von Jean-Claude Junker, noch Chef der Eurozone und verdienter Europäer, anschließen, der zufolge Europa am Ende „zusammengefügter erscheinen“ und damit zukünftig „auf einzelne Gewichts-Stemmer“ verzichten können werde (Interview bei PHOENIX am 16.12.). Freilich ist damit die Frage, wohin Europa eigentlich will, noch nicht beantwortet. Wohl aber stehen die Europäer auch in Zukunft in der Pflicht, dem gemeinsamen Handeln als gewissermaßen „genetischen Code“ der europäischen Einigung vor über 60 Jahren Priorität einzuräumen, abgestützt auf „mehr Europa“, mit der visionären Perspektive des Ausbaus zu einer Wirtschaftsdemokratie, wie von publizistischer Seite entwickelt.

Bevor ich unsere Programmplanungen für das Jahr 2013 vorstelle, meine Damen und Herren, ha-be ich Ihnen mitzuteilen, dass sich die Mitgliedsbeiträge der Orts- und Kreisverbände der Europa-Union Schleswig-Holstein gemäß Beschluss der Landesversammlung vom 15. September in Norderstedt ab 2013 erhöhen werden. Der Landesvorstand, der den Antrag eingebracht hat, hat dafür den immer enger werdenden Handlungsspielraum auf der Ebene des Landesverbandes geltend ge- macht, beeinflusst durch Kürzungen von Landesmitteln, und darauf verwiesen, dass die letzte Beitragserhöhung vor 17 Jahren erfolgt ist.

Der jährliche Mitgliedsbeitrag des Kreisverbandes Plön, der für Vollmitglieder bisher 32 Euro beträgt, wird sich danach ab 2013 auf 36 Euro erhöhen, während Mitglieder mit reduziertem Beitrag, bisher in Höhe von 16 Euro, zukünftig zwei Euro mehr zu entrichten haben werden. Eine, wie wir denken, moderate Beitragserhöhung, die es dem Kreisverband ermöglicht, die gewohnten Qualitätsstandards seiner Arbeit zu wahren und gleichzeitig der Neujustierung des abzuführenden Beitragsanteils zu entsprechen.

Die vorgesehenen Veranstaltungen für das kommende Jahr lassen sich daran messen. In chronologischer Folge wäre hier als erstes der Kaminabend im März zu nennen, der in diesem Jahr aus organisatorischen Gründen nicht stattgefunden hat. Die Themenstellung, „der demokratische Aufbruch in Nordafrika“ und damit einhergehend die veränderte strategische Lage an Europas südlicher Grenze, ist im Prinzip die gleiche geblieben, hat durch die aktuellen Ereignisse in Ägypten indessen an Brisanz gewonnen.

So könnte der Ausgang des Machtkampfs, der in Ägypten zwischen Islamisten und den liberal-oppositionellen Kräften voll ausgebrochen ist, nicht nur entscheidend für die Zukunft des Landes sein, sondern darüber hinaus die Richtung der Transformationsprozesse in der gesamten arabischen Region vorgeben. Wird der Islamismus dominieren und lässt er sich in diesem Falle langfristig mit Demokratie und Rechtsstaatlichkeit vereinbaren? Ein Kernproblem für die Entwicklung in Nordafrika und als solches eine Herausforderung für Europa, das bisher davon abgesehen hat, die Weichen in Richtung auf eine gezielte Einflussnahme bezüglich der politisch-ökonomischen Entwicklung der Nachbarregion zu stellen.

Fehlt es an Zutrauen in die „Demokratiefähigkeit“ seiner südlichen Nachbarn, worauf im Vergleich zur europäischen Politik in Mittel- und Osteuropa zu schließen ist? Oder sind es die Probleme der Finanzkrise, die den politischen und ökonomischen Spielraum für ein abgestimmtes Engagement der europäischen Staaten in dieser Frage blockieren? Und schließlich, so bleibt zu fragen: Wie definiert Brüssel aktuell seine Mittelmeerpolitik? Vergibt man die Chance, die gege-bene Konstellation für eine Bindung der Region an Europa rasch und gezielt zu nutzen, wie aus Fachkreisen gefordert wird?

Diese und andere Fragen werden zu diskutieren sein, wozu wir Kontakt zum Lehrstuhl für Internationale Politik an der CAU aufgenommen haben.

Doch kommen wir nun zu dem Thema „Europa-Reisen“ des KV Plön der Europa-Union. Es steht außer Zweifel, dass die diesjährige Reise in die Provence die Erwartungen der Reiseteilnehmer bezüglich des Reichtums an Kulturdenkmälern und der herausgehobenen touristischen Attraktivität der mediterranen Kulturlandschaft im Süden Frankreichs mit Mittelmeer, Rhône-Delta und der berühmten Fontaine-de.Vaucluse des Flusses Sorgue, eine der weltweit größten Karstquellen, voll und ganz bestätigt. Dabei erwies sich Burkhard Hillerich, Reiseleiter der Gebeco, ein weiteres Mal als versierter und kooperativer Begleiter.

Ob freilich diese Reise nicht zu toppen ist, wie einige der Mitreisenden ihrer Anerkennung Ausdruck verliehen haben, darf bezweifelt werden angesichts der für 2013 geplanten Reise nach Kroatien, das am 1. Juli offiziell als 28. Mitgliedsland der EU beitreten soll. Wir haben uns dazu eine Rundreise in der Zeit vom 21. bis 28. September ausarbeiten lassen, die in Zagreb startet, von dort über die Plitvicer Seen, ältester Nationalpark Kroatiens und 1979 ins Weltnaturerbe der UNESCO aufgenommen, die Adriaküste ansteuert, mit Bootsfahrt dort zunächst das Inselreich des Kornati-Nationalparks erschließt, um dann Kurs auf Split, Bestandteil des UNESCO-Weltkulturerbes, zu nehmen. Endgültiges Reiseziel ist Dubrovnik, mit Abstecher auf der Fahrt dorthin in Mostar (Bosnien-Herzegovina); und später, am siebten Tag, dann ein Ausflug nach Montenegro und damit alles in allem so etwas wie ein Drei-Länder-Trip in der Region des nordwestlichen Balkangebiets.

Mehr lege ich jetzt nicht offen, denke aber, dass wir Ihnen mit der Rundreise in Kroatien ein politisch-historisch interessantes und dabei touristisch attraktives Reiseangebot unterbreiten werden, speziell ausgerichtet an den Vorstellungen des Kreisverbandes.

Ich erspare es mir, auf die „Nachbereitung der Provence-Reise“ in Form eines „Französischen Weinabends“ mit stimmigem musikalischem Rahmenprogramm, kulinarischen Genüssen und Lesungen von Provence bezogenen Texten, dargeboten von Reise-Teilnehmern, näher einzugehen. Wohl aber möchte ich die Gelegenheit nutzen, an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass Veranstaltungen wie diese oder auch die Preisverleihungen im Rahmen des Europäischen Schülerwettbewerbs sich grundsätzlich an alle Mitglieder des Kreisverbandes richten; wie sie andererseits Gästen, wovon immer wieder Gebrauch gemacht wird, offen stehen.

Der Europäische Wettbewerb begeht 2013 sein 6o. Jubiläum und ist damit der älteste Schülerwettbewerb in Deutschland. Als Kreisverband der Europa-Union sind wir zuständig für die Preisverleihung an Schülerinnen und Schüler des Kreises Plön, die, wie überall in der Bundesrepublik, im Mai in der Europa-Woche stattfindet. Natürlich sehen wir uns herausgefordert, dem 60. Jubiläum einen passenden Rahmen zu verleihen, wofür wir, angesprochen durch das diesjährige Motto des Wettbewerbs „Aktives Altern und Solidarität zwischen den Generationen“ das Seniorenzentrum Marienhof in Ascheberg ausgewählt haben.

Nach „Locations“ wie das Prinzenhaus in Plön, Schloss Hagen in Probsteierhagen, Kloster Preetz und in diesem Jahr die rekonstruierte Turmhügelburg in Lütjenburg, möchten wir mit dem ausgewähltem Veranstaltungsort Alt und Jung in der kleinen Feierstunde zusammenführen und dabei gleichzeitig an die Ausrichtung des 50. Jubiläums durch Darbietungen von jungen Musikerinnen und Musikern der Kreismusikschule Plön anknüpfen, seinerzeit im Rahmen eines jurierten Wettwerbs. Wir finden von beiden Seiten, der Heimleitung und der Kreismusikschule, Unterstützung und freuen uns auf die festliche Preisverleihung am 4. Mai 2013.

Es bleibt auf die geplante Jahresmitgliederversammlung am 12. Juni 2013 hinzuweisen, die wir auch im kommenden Jahr mit einem Vortrag inhaltlich unterfüttern wollen und dabei erneut die Energiepolitik, diesmal mit spezifischen Bezug zu Schleswig-Holstein in seiner heraus gehobenen Position als Produzent von Ökostrom, in den Fokus nehmen. Nach Aussage von Robert Habeck, erster Energiewendeminister in Deutschland, wird in Schleswig-Holstein bis 2020 dreimal mehr Strom aus erneuerbaren Energien erzeugt werden als im Land verbraucht wird, so dass der bundesdeutsche Strombedarf zunehmend durch Ökostrom aus dem Norden zu decken sein wird.

Der dazu erforderliche Ausbau von Windanlagen und Stromtrassen als „Riesen-Infrastrukturprojekt“ der Energiewende – vom Umbau des Landes in ein „grünes Kraftwerk“ spricht MP Albig – trifft auf Seiten der beteiligten Akteure, insbesondere aber auch bei den betroffenen Bürgern auf gleichermaßen widerstreitende wie dezidierte Interessenlagen; d.h. um die neue Wertschöpfung für das Land, die die Energiewende in Schleswig-Holstein birgt, erzeugen zu können, bedarf es nicht allein politischer Überzeugungsarbeit an den „verschiedenen Fronten“, sondern darüber hinaus einer realistischen Einschätzung der gegebenen Rahmenbedingungen auf Länder- und auf Bundesebene. So scheint sich, wie die Entwicklung der letzten Wochen auf diesem Politikfeld zeigt, Bundesumweltminister Altmaier mit seiner Sichtweise einer verstärkt koordinierten Umsetzung der Energiewende mittelfristig offenbar durchzusetzen.

Wir wollen in dieser Frage klarer sehen und haben im Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume – erfolgreich - angefragt, ob die Staatssekretärin, Frau Ingrid Nestle für einen Vortrag zu dieser Thematik zur Verfügung steht.

Zum Schluss noch ein Wort zum Vortrag mit Lichtbildern zum Thema „Großbritannien im Blickpunkt Europas: Reise durch die britischen Inseln“, eine Veranstaltung, die wir unter dem Rubrum „Europäische Reiseländer“ am 22. November angeboten haben. Zuspruch und Informationsge- halt des Vortrags haben uns darin bestärkt, das Format in unser Programmrepertoire aufzunehmen – mit entsprechend Situation bestimmter Themenwahl, d.h. ad hoc erfolgenden Angeboten. Interessierte, Besucher und Nicht-Besucher des Großbritannien-Vortrags von Dr. Schik und Dr. Schröder, finden die schriftliche Fassung im Internet

Veranstaltungen im Jahr 2013 (Planungsstand Dez. 2012)

20.03.  19.00 Uhr Restaurant Neeth, Damdorf
Kaminabend zum Thema: „Arabische Revolution: Politische Herausforderung für den Nachbarn Europa“, Referent angefragt
04.05.  15.00 Uhr Seniorenzentrum „Marienhof“ in Ascheberg
Preisverleihung an die Gewinner des 60. Europäischen Schülerwettbewerbs des Kreises Plön
12.06.  18.00 Uhr Restaurant Neeth, Dammdorf
Jahresmitgliederversammlung des KV Plön
Im Anschluss daran Vortrag zum Thema: „Infrastrukturprojekt Energie- wende im Widerstreit von Interessen: Entschleunigung des Ausbaus von Ökostrom im Norden angesagt?“ Referentin: Ingrid Nestle
05.09.  19.00 Uhr Hotel „Rosenheim“, Schwentinental
Vorbereitung der Europareise 2013 nach Kroatien mit einem Vortrag zum Thema „Kroatien, Land im Grenzbereich des nordwestlichen Balkans, dem mitteleuropäischen Kulturkreis eng verbunden“, Referent: NN
21. bis 28.09. Europareise 2013 nach Kroatien
17.10.  19.00 Uhr : Schulungszentrum der Baugesellschaft Schwalbe, Preetz
„Reise-Nachlese“ (geselliges Beisammensein mit Foto- und DVD-Börse)

Als neue Mitglieder der Europa-Union des Kreises Plön, die 2012 unserm Kreisverband beigetreten sind, begrüße ich im Namen des Vorstandes noch einmal herzlich Herrn Hans-Albert Schultz und das Ehepaar Dörte und Nikolaus Jonas. Wir freuen uns über ihr Interesse an unserer Arbeit.

Meine Damen und Herren, es bleibt mir an dieser Stelle nur noch, Ihnen allen, stellvertretend für den Vorstand des Kreisverbandes Plön der Europa-Union, ein frohes Weihnachtsfest und ein glückliches und erfolgreiches Jahr 2013 zu wünschen.

mit freundlichen Grüßen

Dr. Ilse Dygutsch-Lorenz



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