Rundbrief der Vorsitzenden zum Jahreswechsel 2013 / 2014

Meine Damen und Herren,
liebe europäische Freunde,

eine eingetrübte Stimmung gegenüber dem europäischen Gedanken als ein tragendes Element für den Erhalt und den Ausbau eines zusammenwachsenden Europa ist zu verzeichnen. Europa- und Euroskepsis sowie Ernüchterung bezüglich Inhalt und Formen des Krisenmanagements der letzten Jahre bestimmen bei vielen Bürgern die aktuelle Haltung zu diesem Thema und lösen Befürchtungen in der einen oder anderen Richtung aus, was die Beteiligung und die Ergebnisse der bevorstehenden Europa­wahlen 2014 betrifft.

Gewissermaßen im Kontrast dazu die Proteste der ukrainischen Opposition gegen die unter Einfluss Russlands erfolgte Weigerung der Regierung, mit Staatschef Januko­witsch an der Spitze, das verhandelte Assoziierungs- und Freihandelsabkommen mit der EU zu unterzeichnen. Man erwartet auf ihrer Seite viel von diesem Abkommen, das der Ukraine den Weg nach Westen eröffnet und damit nicht zuletzt die Einbindung in die Wertegemeinschaft Europa als Alternativmodell einer allein auf ökonomische Interessen und auf Macht Wahrung ausgerichteten Politik.

Die nun schon seit Wochen andauernden Massendemonstrationen auf dem Unabhän­gigkeitsplatz von Kiew zeigen, welchen Stellenwert für die aufbegehrenden Bürger der Ukraine das gemeinsame Haus Europa einnimmt. Ihr Interesse richtet sich darauf, im Rahmen des Programms der Östlichen Partnerschaft die Wirtschaft zu modernisieren, Demokratie und Menschenrechte zu stärken sowie Transparenz der Politik strukturell sicher zu stellen. Kurz: die Lebensbedingungen in der Ukraine mit der Annäherung an die Europäische Union zu verändern.

Mit dieser Erwartung stehen die Demonstranten in Kiew nicht allein da, was der „offene Brief“ von russischen, der Opposition angehörenden Autoren an ihre „Kollegen und das ukrainische Volk insgesamt“ bezeugt – ich darf zitieren: „Wir fühlen uns, wie ihr auch, als Teil einer europäischen Zivilisation - und jene politischen Kräfte, die versuchen, euch und uns ihr zu entreißen, wecken bei uns denselben Zorn wie bei euch. (…….) Euer Kampf um die freie Wahl wird schwer werden, aber wir hoffen auf Erfolg. Er wäre ein Zeichen für uns, dass auch wir, in Russland, unsere Rechte und Freiheiten durchsetzen können.“ (Hervorhebung im Text Dy-Lo)

Europa als Hoffnungsträger und Leitwert – das stimmt nachdenklich. Eine Sichtweise, die unter den Bürgern von Mitgliedsländern, bedenkt man die zunehmende Kleinmütig­keit bezüglich solcher, dem gemeinsamen europäischen Handeln geltende Bekennt­nisse, schon seit einigen Jahren verloren gegangen zu sein scheint.

Wir kommen zum programminhaltlichen Teil unseres Rundbriefes. Doch zuvor ein formal­technischer Hinweis, der den Einzug der Mitgliedsbeiträge betrifft. Wie Ihnen sicherlich schon bekannt ist, wird der deutsche Zahlungsverkehr zum 1. Februar 2014 auf den europäischen Standard SEPA umgestellt. Für die Mitglieder des Kreisverban­des ergeben sich daraus keine Änderungen. Die uns erteilten Einzugsermächtigungen werden als SEPA-Lastschriftmandat weiter genutzt.

Auch in Zukunft werden die anstehenden Mitgliedsbeiträge in der ersten Märzhälfte jeden Jahres von Ihrem Konto eingezogen. Nunmehr in Form des SEPA-Basis-Last­schriftverfahrens unter Angabe der Gläubiger-Identifikationsnummer des KV Plön der Europa-Union (DE40ZZZ00000150472) und Ihrer von der Landesgeschäftsstelle mitgeteilten Mitgliedsnummer als Mandatsreferenz.

Lassen Sie mich bezüglich der Programmplanung des KV Plön für 2014 mit einer kurzen Rückschau auf die diesjährige Europareise nach Kroatien beginnen. Ein Ziel führendes Moment für diese Wahl war, neben den touristischen Vorzügen des Landes, die Aufnahme Kroatiens in die EU am 1. Juli dieses Jahres, ein Vorgang, dem auf Seiten der Politik „eine herausragende Bedeutung für die Stabilisierung des westlichen Balkans“ (A. Schäfer, MdB) beigemessen wird; dies nicht zuletzt aufgrund der ihm zugeschriebenen Signalwirkung für Mitgliedskandidaten und solche Länder dieser Region, die dies werden wollen.

Keine Frage: die Erwartungen an Erlebniswerte und den Genuss von Kunst und kulturhistorischen Zeugnissen in Kroatien als Reiseland wurden voll und ganz erfüllt. Indessen hatte die einwöchige Rundreise, wie sich in deren Verlauf herausstellte, mehr im Angebot. Insofern als sie dazu beitrug, den Blick für die Tragweite und die Folgewirkungen der bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen in den 90-ger Jahren zu weiten, die aus der sicheren Distanz von Mitteleuropa wohl registriert wurden, aber als solche keine Kontur gewannen. Ein Zugewinn an Realitätssinn, was die fortbestehenden ethnischen Spannungen zwischen den Volkgruppen der Serben, Kroaten und Bosniern betrifft und die der angestrebten Stabilisierung der Region eher zuwider laufen, machten den Mehrwert dieser Reise aus und fanden ihren Niederschlag in Symbol trächtiger Zeichensetzung.

Seien es die dem Verfall übergebenen Häuser von Serben, die Kroatien verlassen mussten, ohne in Serbien „anzukommen“, die Überreste von Ruinen in kroatischen Dörfern, aber auch in Bosnien-Herzegowina, die als Symbole der Anklage nicht beseitigt werden, oder der in Mostar nahe der 2004 wieder errichteten „Alten Brücke“ über die Neretva, liegende Friedhof für die im Bürgerkrieg gefallenen bosnischen Soldaten, deren Gräber zum großen Teil mit Blumen geschmückt. Erwähnt seien in diesem Zusammenhang die bemerkenswert neutral gehaltenen Zeitzeugenberichte unserer jungen, akademisch gebildeten Reiseleiterin, die im Verlauf der Rundreiseroute ein vielschichtiges Bild der Problematik unbefriedeter Konflikte dieses Teils des Westbalkans zu entwickeln wusste.

So bleibt zu fragen, inwieweit Kroatiens Aufnahme in die EU tatsächlich Impulse für eine europäische Integration des Westbalkans setzen und damit einen Beitrag zur politischen Neuordnung der Region erbringen kann. Ebenso, welchen Nutzen Kroatien selbst aus dem Beitritt bezieht und was es für den Status eines Mitgliedslandes bedeutet, aufgefordert zu sein, die Reformbemühungen im Bereich der Rechtsstaat­lichkeit und Korruptionsbekämpfung auch nach dem Beitritt fortzusetzen. Kann es sich Kroatien als erstes EU-Mitglied unter den Balkanstaaten leisten, in dieser Hinsicht kein Vorbild abzugeben und damit die erhoffte positive Signalwirkung zu schmälern? Gibt es doch bereits Medienstimmen, die unken, mit Kroatien als EU-Mitglied stände das nächste Bulgarien vor der Tür.

Gerade in diesen Wochen hat Kommissionspräsident Barroso die Zusage der EU bekräftigt, langfristig alle Balkanländer aufzunehmen, „wenn sie die Voraussetzungen und Kriterien erfüllen“. Diese Aussage richtet sich nicht zuletzt an die potentiellen Beitrittskandidaten, zu denen Bosnien-Herzegowina gehört, ohne bis heute einen Beitrittsstandard zugesprochen bekommen zu haben, da ihm die Beitrittsreife fehlt. Lassen sich an diesem Beispiel die Schwierigkeiten erahnen, die sich dem Ziel einer dauerhaften Befriedung und Stabilisierung der Region des Westbalkans in der einen oder anderen Form entgegen stellen, so widerspräche es fraglos dem Interesse der EU, eine neue Grenzziehung zwischen dem Mitglied Kroatien und den verbleibenden Balkanländern hinzunehmen.

Eine gleichermaßen sensible wie spannende Materie, die uns veranlasst hat, dem Gegenstand einen Kaminabend zu widmen mit einem Vortrag zum Thema „EU-Mit­gliedsland Kroatien - Zugpferd für die Balkanstaaten?“. Als Referent haben wir Ernst Johansson, Jurist und ausgewiesener Europäer, dabei Vizepräsident der Europa-Union Deutschland und dem KV Plön als Mitglied verbunden, gewinnen können, worüber wir uns freuen.

Dem Kaminabend folgt - in chronologischer Reihenfolge - am 10. Mai als Teil der Europawoche die Preisverleihung zum 61. Europäischen Schülerwettbewerb an Schülerinnen und Schüler des Kreises Plön. Wir wollen damit wieder anknüpfen an die gewissermaßen zur Tradition gewordenen Ausrichtung einer kleinen Feierstunde im Kreis von Mitschülern, Eltern und Lehrern, wovon wir in diesem Jahr mangels einer hinreichenden Anzahl von Preisträgern erstmals abgewichen sind – zu unserm und zum Bedauern auf Lehrerseite, wie uns zu Ohrengekommen ist.

Bei der Wahl der „Location“ für die Preisverleihung 2004 hat uns auch diesmal das Prinzip der Erst- und Einmaligkeit, gepaart mit einer gewissen Herausgehobenheit des Veranstaltungsortes, geleitet, was uns mit dem Plöner Kreistagssaal gelungen sein dürfte, Dank des Entgegenkommens der Kreistagsverwaltung. Für die anschließende Kaffeetafel in größerer Runde sind die angrenzenden Sitzungsräume der Ausschüsse vorgesehen, wofür die dazu gehörige Küche die besten Voraussetzungen bietet. Die Landrätin, Frau Ladwig ist bereits eingeladen, diesmal auch in ihrer Rolle als Gastgeberin.

Die Europareise 2014 wird uns im August nach Polen führen - konzipiert als Städte­reise nach Krakau und Breslau in Kombination mit einem zweitägigen Aufenthalt im Riesengebirge. Ergänzt wird das Kernprogramm durch ausgewählte Zwischenziele wie Tschenstochau, spirituelles Zentrum Polens mit der wundertätigen Ikone der Schwar­zen Madonna im Pauliner Kloster, das als größtes Marienheiligtum Mitteleuropas jährlich tausende Pilger auf sich zieht, aber auch Schweidnitz, dessen historische Bedeutung durch die berühmte Friedenskirche (Westfälischer Friede 1668), eine Fachwerkkonstruktion mit Innenausstattung im Stil des Barock und einem Fassungs­vermögen von 7.500 Personen, bezeugt wird, die Besichtigung von Schloss Fürsten­stein im Waldenburger Land, seinerzeit größtes Schloss Niederschlesiens, aber auch das Gut Kreisau, Ort des Widerstandes um Helmut James von Moltke in der Zeit des zweiten Weltkrieges (Kreisauer Kreis), heute als „Freya von Moltke-Stiftung zur Verständigung in Europa“ internationale Gedenk- und Begegnungsstätte, wo von uns ein Gespräch eingeplant ist.

Im Riesengebirge werden wir auf den Spuren von Gerhart Hauptmann und Theodor Fontane wandeln, uns den Schlössern und anderen Highlights des Hirschberg Tals zuwenden und – nicht zu vergessen – die Schneekoppe (1.600 Meter hoch) mittels Sessellift bezwingen, ein Programm mit Relaxen im Schlosshotel Stonsdorf, wo wir für drei Nächte einlogiert sein werden, was an Urlaub denken lässt.

Alles in allem: Es erwartet uns ein gleichermaßen dichtes wie facettenreiches Besuchs- und Besichgungsprogramm auf dieser Reise, wobei ich davon abgesehen habe, die historische und kulturelle Bedeutung der beiden Zielstädte näher zu skizzieren: die „Europäische Kulturstadt Krakau“, von ihren Bewunderern auch polnisches Rom genannt und bereits 1978, ausgerichtet an der kulturhistorisch bedeutenden Altstadt und der einstigen Königsresidenz Wawel, von der UNESCO in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen; ebenso Breslau mit wichtigen (teils restaurierten) Schauplätzen seiner über 1000-jährigen Stadtgeschichte und einer reizvollen, sich über 12 Inseln erstreckenden Stadt- und Brückenlandschaft (von über 100 Brücken ist die Rede). Dies soll genügen, da sonst die durch das Format eines Rundbriefs vorgegebenen Grenzen vollends gesprengt würden.

Touristische Attraktivität, die sich zumal bei deutschen Besuchern zunehmend herumgesprochen zu haben scheint, kann, so denken wir, im Falle der Vorbereitung auf die Europareise 2014 nicht das alleinige Moment hinsichtlich Charakterisierung und Einordnung des Reisezieles sein. Was die Reise 2014 von den vorausgegangenen Europa-Reisen des KV Plön, ausgerichtet auf die mittel- und südeuropäischen Länder, unterscheidet, sind die latent belasteten Beziehungen zwischen Deutschland und Polen, bedingt durch die Vergangenheit des zweiten Weltkrieges und deren Folgewirkungen, denen nach wie vor ein spezifischer Stellenwert im Verhältnis zueinander beigemessen wird und die darum nicht ausgeblendet werden sollten.

Schließlich umfasst ein großer Teil dieser Europareise das ehemalige Schlesien und berührt damit Landschaften und Städte mit ihren Kulturdenkmalen, die früher deutsch gewesen und heute, gewissermaßen als gemeinsames Erbe, Teil des polnischen Nachbarlandes sind. 2004 Mitglied der EU geworden, zählt Polen zu den drei größten Mitgliedsländern, eingebunden in eine abgestimmte Partnerschaft mit Deutschland einschließlich enger, grenzüberschreitender Vernetzungen mit den Bundesländern auf deutscher Seite. Beides geht, so scheint es, gut zusammen, worüber wir uns am als Vorbereitung auf die Reise mit einem Vortrag zum Thema „Deutschland und Polen – Nachbarn in Europa mit Vergangenheit und Perspektive“, im Sinne einer zeitüber­grei­fen­den Zusammenschau, einen näheren Einblick verschaffen wollen.

Veranstaltungen im Jahr 2014 (Planungsstand Dez. 2013)

12.03.  19.00 Uhr Restaurant Neeth, Dammdorf
Kaminabend zum Thema: „EU-Mitglied Kroatien – Zugpferd für die Balkanstaaten?“, Referent: Professor h.c. Ernst Johansson, Vizepräsident der Europa-Union Deutschland e.V.
10.05.  15.00 Uhr Kreistagssaal des Landkreises Plön
Preisverleihung an die Gewinner des 61. Europäischen Schülerwettbewerbs des Kreises Plön
18.06.  18.00 Uhr Restaurant Neeth, Dammdorf
Jahresmitgliederversammlung des KV Plön
13.08.  19.00 Uhr Hotel „Rosenheim“, Schwentinental
Vorbereitung der Europareise 2014 nach Polen mit einem Vortrag zum Thema „Deutschland und Polen – Nachbarn in Europa mit Vergangenheit und Perspektive“, Referent: NN
21. bis 28.08. Europareise 2014 nach Polen (Krakau – Breslau – Riesengebirge)
17.09.  19.00 Uhr Strandhotel Seeblick, Heikendorf „Reise-Nachlese“
(Geselliges Beisammensein mit Foto- und DVD-Börse)
ergänzend dazu:
17.-21.02. Gustav Heinemann Bildungsstätte, Bad Malente „Der Balkan: Vom Pulverfass zur Friedensregion?“ Seminarleitung: Thomas Handrich (Tel. 04523 – 880970)
07./08.03. Europäische Akademie Sankelmark Verbandsseminar der Europa-Union zum Thema „Europa vor der Wahl“ Seminarleitung: Dr. Stefan Vöhringer (Nähere Angaben bei der Landesgeschäftsstelle, Tel. 0431-93333)

Als neues Mitglied der Europa-Union des Kreises Plön, begrüße ich im Namen des Vorstandes noch einmal herzlich Frau Helga Schultz. Wir freuen uns über Ihr Interesse an Europa und der Arbeit des Kreisverbandes.

Zum Schluss, meine Damen und Herren, bleibt mir nur noch, Ihnen allen, stellvertretend für den Vorstand des Kreisverbandes, ein frohes Weihnachtsfest und ein glückliches und erfolgreiches Jahr 2014 zu wünschen.

mit freundlichen Grüßen

Dr. Ilse Dygutsch-Lorenz



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