Rundbrief der Vorsitzenden zum Jahreswechsel 2014 / 2015

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe europäische Freunde,

die politische Stimmungslage ist zum Ausklang des Jahres 2014 eher beklommen angesichts der weltpolitischen Lage, die dazu beiträgt, dass die Themen „Krieg und Frieden“, Sicherheitspolitik und die Flüchtlingsproblematik seit Monaten die öffentliche Agenda dominieren, ganz abgesehen von der epidemisch verlaufenden Ebola-Erkrankung in Westafrika.

Zu einem Jahr der „Krisen, Kriege und Krankheiten“ hat denn auch Angela Merkel das ausklingende Jahr auf dem CSU-Parteitag in Nürnberg erklärt, während Außenminister Steinmeier mit Blick auf die internationalen Krisenregionen das Bild einer „aus den Fugen geratenen Welt“ bemühte und dieser Tage den weiter anschwellenden Flücht­lings­strom, nicht nur nach Europa, als „größte humanitäre Krise unserer Zeit“ bezeich­nete. Was für die aufnehmenden Nachbarländer von Syrien und dem Irak, eine kaum noch zu bewältigende Herausforderung darstellt, Europa und seine Mitglieds­länder aber mit einer Bewährungsprobe konfrontiert, die in letzter Konsequenz das institutionelle Gefüge der Europäischen Union bzw. deren Grundwerte berührt.

Wie ordnet sich die Tatsache ein, dass bei zunehmenden Asylbewerberzahlen für Deutschland, die in den ersten neun Monaten um 60 Prozent auf 139.000 angestiegen sind und mit geschätzten 220.000 für 2014 angesetzt werden, in allen wesentlichen, die Flüchtlingsproblematik betreffenden Fragen, wie Ziele, Regelung der Verantwort­lichkeiten und Kostenübernahme, kein Konsens zwischen den Mitgliedsstaaten bisher herzustellen war? Dass fünf Länder – Schweden, Deutschland, Italien, Großbritannien und Frankreich – in der Union 75 Prozent der Asylbewerber aufnehmen? Oder, dass Erstzugangsländer für Asylsuchende, wie vorrangig die Mittelmeer-Anrainer Italien, Griechenland und Spanien, nach geltendem „Dublin-Verfahren“ damit gleichzeitig Adressaten von Asylanträgen sind?

An die 1000 Flüchtlinge, aus Syrien kommend, hat die italienische Marine im Zusammenwirken mit „Triton“ am Wochenende vor Weihnachten aus dem Mittelmeer gerettet. Was eine solche Rettungsaktion in der Konsequenz für Italien als Erstzugangsland bedeutet, bedarf keiner näheren Ausführung.

Geboten ist europäischer Gemeinsinn, der nach Einschätzung von Kritikern nur schwach ausgebildet ist. Die EU, die offiziell auf ihre christlich-demokratischen Werte setze, so heißt es da, habe sich als „hoch entwickeltes Gemeinwesen“ der Verantwortung gegenüber der wachsenden Flüchtlings- und Asylbewerberkrise zu stellen, d.h. Sorge zu tragen für eine gleichermaßen faire wie rechtlich abgesicherte quotierte Verteilung der Menschen auf 28 EU-Mitgliedsländer. Nur so ließe sich die „humanitäre Krise dieser Zeit“ in den Griff bekommen.

Eine Forderung, die durch die Feststellung von Martin Schulz, Präsident des Europäischen Parlaments, Schubkraft bekommt. Für ihn ist eine „Neuausrichtung der europäischen Einwanderungs- und Asylpolitik“ unumgänglich, ein Verteilungsschlüssel für Asylsuchende, festgemacht an vorgegebenen Vergleichsgrößen der EU-Länder, das Mittel der Wahl. Schließlich, so sein Resümee: „Europa muss endlich anerkennen, dass es ein Einwanderungskontinent ist.“

Ein gleichermaßen aktuelles wie brisantes Thema, das die öffentliche Agenda über Monate beherrscht und uns veranlasst, es zum Gegenstand eines Kaminabends zu machen. Wir freuen uns, dass wir Klaus Schlie, Präsident des Schleswig-Holsteini­schen Landtags, als Referenten gewinnen konnten, der zu dem Thema: „Europäische Asyl- und Flüchtlingspolitik auf dem Prüfstand: Nachgefragt solidarisches Handeln der EU-Mitgliedsländer“ sprechen wird und damit die Grundlagen für die Diskussion dieses Abends legt.

Diese wird sich aber auch der Frage zuwenden, wie in Deutschland auf Kreis- und kommunaler Ebene, beleuchtet am Beispiel des Kreises Plön, mit Flüchtlings- und Asylbewerbern umgegangen wird, dort wo die Menschen aufgenommen und versorgt werden. Auskunft darüber werden die Landrätin, Stephanie Ladwig (angefragt) und der Bürgermeister von Preetz, Wolfgang Schneider, geben. Dass sich an der Aussprache dieses Kaminabends Gäste aus dem Kreis der ehrenamtlichen Helfer, Sprachpaten und Mitglieder von Unterstützergruppen, beteiligen werden, davon darf ausgegangen werden.

Was die diesjährige Europareise nach Polen betrifft, bleibt festzustellen, dass diese die Erwartungen der Reiseteilnehmer nicht nur erfüllt, sondern zum Teil übertroffen hat. Neu ist nicht, dass in aller Regel die jeweilige Europareise mit ihren je spezifi­schen Angeboten als „besonders gelungen“ bewertet wird. Wohl aber die Tatsache, dass es im Falle der Polenreise erstmals Stimmen gab, die als Wunschvorstellung äußerten, eigentlich müsste man ein zweites Mal hinfahren, gegebenenfalls als kleine private Gruppe, um die gewonnenen Eindrücke zu vertiefen, bei gleichzeitiger Ausweitung des Exkursions-Radius; und dies nicht einmal, um den Pfaden heimatlicher Reminiszenzen zu folgen.

Was deutlich wurde und als Gesamteindruck seinen Niederschlag fand, ist die Tatsache, dass Polen in den letzten Jahren eine Entwicklung in Richtung auf ein modernes, ökonomisch erfolgreiches EU-Mitgliedsland genommen hat, abzulesen am Erscheinungsbild der Städte und der verkehrtechnischen Infrastruktur, aber auch an der aufgeschlossenen Haltung der Menschen, denen wir begegnet sind. Krakau und Niederschlesien, dessen geschichtsträchtige Städte, allen voran Breslau, mit bedeutenden Kirchenbauten und Herrenhäusern, einschließlich die Landschaft des Riesengebirges, eine Region, die, über viele Jahre aus dem Blickfeld geraten, mit der Reise Gestalt angenommen hat. Erschlossen hat sich damit gleichzeitig ein touristisch attraktives Reisegebiet im „Nahbereich“, wie es einer der Teilnehmer formuliert hat, das sich hinsichtlich seiner Erreichbarkeit schlicht anderen touristischen „Highlights“ in Mitteleuropa zuordne. Wörtlich: „Man kann dort hinfahren, wenn man will.“

Nicht zu unterschätzen bei dieser Reise Information und Gespräche vor Ort. Ich denke dabei an das ausführliche Gespräch mit dem deutschen Generalkonsul in Krakau am Ankunftstag mit inhaltlichen Schwerpunkten, wie die Pflege deutsch-polnischer Wirtschafts- und Kulturbeziehungen, die Einbindung der deutschen Minderheiten in Polen, aber auch das Thema „Vergangenheitsbewältigung“ in enger Zusammenarbeit mit der Gedenkstätte Auschwitz. Zu nennen wäre weiter die Diskussion in Schloss Kreisau mit einer Mitarbeiterin der EU über die Arbeit der von Freya von Moltke gegründeten Internationalen Gedenk- und Begegnungsstätte, vorrangig für Schüler und Jugendliche. Und schließlich die Informationsgespräche mit den „Bauherren“ auf deutscher und auf polnischer Seite im Hirschberg Tal, was den Ausbau maroder Herrenhäuser originär preußischer Herkunft zu veritablen Schlosshotels betrifft (in einem haben wir logiert) – über Motivation, Finanzierung und diesbezügliche Zukunftsperspektiven.

Ziel war es, Einzelaspekten deutsch-polnischer Beziehungsarbeit kommunikativ näher zu kommen, soweit dies im Rahmen einer einwöchigen Rundreise überhaupt zu leisten ist. Mit dem Ergebnis, vielleicht einen Anreiz bewirkt zu haben, die „gelebte europäische Nachbarschaft“ beider Länder weiter im Auge zu behalten.

Nach der Reise ist vor der Reise, die uns 2015 in den westlichen Teil Mitteleuropas führen wird - nach Belgien und Nordfrankreich, oder präziser: nach Flandern und die angrenzende Region „Nord –Pas-de-Calais“. Als Städtereise mit kulturhistorischem Schwerpunkt angelegt, stehen Brüssel, Antwerpen, Gent und Brügge sowie auf französischer Seite Lille und der Louvre in Lens auf dem Programm; aber auch das Gedenken „eines der einschneidendsten Phasen der jüngeren europäischen Geschichte“, des Ersten Weltkriegs mit dem vierjährigen Stellungskrieg an der Westfront bei Ypern, das Teil einer ausführlichen Würdigung bilden wird.

Stadtarchitekturen ehemals reicher Handelsmetropolen, weitgehend im Original erhalten, mit berühmten Kirchen und eben solchen Profanbauten, deren Ruf sich nicht zuletzt herleitet ob der Kunstwerke, die sie bergen, werden wir sehen. Patrizier jener Zeit traten als bürgerliche Auftraggeber und Mäzenaten von Künstlern und Werkstät­ten in ebenbürtigen Wettbewerb mit Fürstenhöfen und der Kirche. Portraits und wirklichkeitsnahe Landschafts- und Genremalerei wurden bestimmend, was – aus fachlicher Sicht - auf eine „Verbürgerlichung“ niederländisch-flämischer Kunst hinauslief und frühzeitig die Ausbildung einer eigenständigen, regional bestimmten Malschule beförderte, die auch heute noch ihren spezifischen Reiz auf die Betrachter ausübt.

Wir werden Gelegenheit haben, uns davon ein eigenes Bild zu machen. Vertreter großer Namen der Kunst- und Kulturgeschichte werden uns begegnen. Ergänzend dazu dann in „Nord-Pas-de-Calais“ der Besuch des „Palais des Beaux-Arts de Lille“, eines der bedeutendsten Museen nach dem Louvre. Und als Kontrast dazu schließlich spektakuläre Museumsbauten in Lille für moderne Kunst und Industriekultur und in Lens für das Projekt „Louvre-Lens“, architektonisch realisiert auf einer ehemaligen Braunkohlezeche.

Doch damit nicht genug. Brüssel, die „Stadt zwischen Belgien und Europa“, mit seinem berühmten „Grand Place“ im Zentrum der Stadt, schließt zwingend einen Besuch des Europa-Viertels ein, wenn möglich unter Einbeziehung einer geführten Besichtigung des Europäischen Parlamentes. Und auch das Königsschloss in Laken sowie das „Atomium“, zur „Expo `58“ errichtet, sind Teil des Reiseprogramms, das hier nicht voll umfänglich wiederzugeben ist. Ein Hinweis vielleicht: „Belgien und Confiserie“ sollte als lohnendes Angebot eigener Recherchen in den Focus genommen werden.

Aufs Ganze hin gesehen ein Besuchs- und Besichtigungsprogramm von Gewicht und Vielfalt, nicht nur für Kenner, das normalerweise im Rahmen von „Sondergruppen­rei­sen“ so nicht angeboten wird. Tatsächlich hat sich die Gebeco Dank der langen und guten Zusammenarbeit dazu bewegen lassen, das Programm einer Dr.Tigges-Indivi­dualreise inhaltlich als „Sondergruppenreise“ zu übernehmen, die für den 11. bis 18. August vorgesehen ist. Mit der Ausschreibung ist im März zu rechnen.

In der Reihe „Europäische Reiseländer“, die Vorträge mit und ohne mediale Unter­stützung über Länder anbietet, die sich aufgrund besonderer Charakteristika auszeichnen und somit Interesse verdienen, wollen wir im Herbst des kommenden Jahres wieder ein solches „Reiseland“ vorstellen, losgelöst von konkreten Reiseplänen; Voraussetzung dafür ist auch diesmal die Verfügbarkeit eines „passenden“ Referenten.

Wir denken im konkreten Fall an die Länder des Baltikums, Estland, Lettland und Litauen, die als „Reiseländer“ jedes für sich betrachtet, wie auch als gemeinsamer geopolitischer Raum, nachweislich ein eigenständiges Profil gewonnen haben, abzulesen an der Nachfrage auf dem Reisemarkt. Hierzu bedarf es ganz ohne Frage touristischer Attraktivität, die im ausgeprägten Maße gegeben ist, gekoppelt mit der Erinnerung an die Reisebeschränkungen im zeitgeschichtlichen Kontext der „Vorwen­dejahre“. Kommt hinzu, dass mit den Begehrlichkeiten Putins im Zusammenhang mit der Ukraine-Krise ein öffentliches Interesse - jenseits des politischen Aktionsraums - an Bestand und Zukunft nicht nur des Baltikums geweckt worden ist.

Wir freuen uns, dass wir für den geplanten Vortrag zum Thema „Eine Reise durch das Baltikum: Landschaften – Städte – Kulturgeschichte“ ein weiteres Mal als sachkom­petenten Referenten den Anglisten Dr. Bertold Schick gewinnen konnten, der die politischen Rahmenbedingungen einführend berücksichtigen wird.

Zum Schluss noch ein kurzer Blick auf die diesjährige Preisverleihung an die Gewinner des 61. Europäischen Schülerwettbewerbs in den Räumlichkeiten des Kreistages Plön mit Grußworten der Landrätin, Frau Ladwig und des Bürgervorstehers der Stadt Plön, Herr Krüger. Von den 17 Preisträgern, mit einer Ausnahme, für Gruppenarbeiten, nahmen zehn an der Preisverleihung teil, zu wenige, um die Veranstaltung, wie vor­gesehen, im Kreistagssaal durchzuführen. Der Wechsel in einen der Sitzungsräume blieb nicht ohne Folgen für das „Klima“ der Veranstaltung (von „Wohnzimmeratmo­sphäre“ sprach Bürgervorsteher Krüger). Statt einer förmlichen Preisverleihung nahm das Prozedere den Charakter eines Gruppengesprächs an, was die Wahl der Themen und deren Umsetzung betrifft, und mündete ein in die allgemeine Wunschvorstellung, es zukünftig bei dieser Form zu belassen.

Wir werden sehen, wie das Ergebnis des Wettbewerbs 2015 ausfällt. Als „Location“ für die gegeplanten Preisverleihung am 9. Mai haben wir uns rechtzeitig den Ausstellungssaal des „Künstlermuseums Heikendorf - Kieler Förde“ gesichert, der als solcher gleichermaßen ansprechend wie größenmäßig „anpassungsfähig“ ist, auch für den Fall einer nicht so großen Beteiligung von Preisträgern und Gästen. Die Aussichten dafür weisen in diese Richtung angesichts hinzugetretener „neuer Konzepte“ europäischer Bildungsarbeit auf der Ebene von Schulen und Hochschulen.

Veranstaltungen im Jahr 2015 (Planungsstand Dez. 2014)

19.03.  19.00 Uhr Restaurant Neeth, Dammdorf
Kaminabend zum Thema „Europäische Asyl- und Flüchtlingspolitik auf dem Prüfstand: Nachgefragt solidarisches Handeln der EU-Mitgliedsländer. Referent: Klaus Schlie, Präsident des Schleswig-Holsteinischen Landtags
Über die Behandlung der Flüchtlingsfrage auf Kreisebene werden Auskunft geben: Stefanie Ladwig, Landrätin des Kreises Plön (angefragt) sowie als Vertreter einer betroffenen Kommune Wolfgang Schneider, Bürgermeister von Preetz.
09.05.  15.00 Uhr „Künstlermuseum Heikendorf - Kieler Förde“, Heikendorf, Preisverleihung an die Gewinner des 62. Europäischen Schülerwettbewerbs des Kreises Plön
11.06.  18.00 Uhr Restaurant Neeth, Dammdorf
Jahresmitgliederversammlung des KV Plön
04.08.  19.00 Uhr Hotel „Rosenheim“, Schwentinental
Vorbereitung der Europareise 2015 nach Belgien/Nordfrankreich mit einem Vortrag zum Thema „Von der Grafschaft Flandern zur Flämischen Gemeinschaft des Königreichs Belgien“.
Referent: NN
11. bis 18.08. Europareise 2015 nach Belgien (Städtereise mit Abstechern nach Ypern und Lille)
15.09.  19.00 Uhr Restaurant „Drathenhof“, Kiel „Reise-Nachlese“ (Geselliges Beisammensein mit Foto- und DVD-Börse)
05.11.  19.00 Uhr Restaurant Neeth, Dammdorf
In der Reihe „Europäische Reiseländer“ Vortrag mit Lichtbildern und musikalischer Umrahmung zum Thema „Eine Reise durch das Baltikum: - Landschaften – Städte – Kulturgeschichte“. Referent: Dr. Bertold Schik

Damit bleibt mir nur noch, Ihnen allen, meine Damen und Herren, stellvertretend für den Vorstand des Kreisverbandes, ein glückliches und erfolgreiches Jahr 2015 zu wünschen.

mit freundlichen Grüßen

Dr. Ilse Dygutsch-Lorenz



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